{"id":107,"date":"1998-02-08T21:25:48","date_gmt":"1998-02-08T20:25:48","guid":{"rendered":"http:\/\/frankjankowski.de.w01a8fb4.kasserver.com\/wp_textblog\/?p=107"},"modified":"2023-06-14T16:46:03","modified_gmt":"2023-06-14T14:46:03","slug":"goetterdaemmerung-im-schwitzfleck-afrikas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/goetterdaemmerung-im-schwitzfleck-afrikas\/","title":{"rendered":"G\u00f6tterd\u00e4mmerung im Schwitzfleck Afrikas"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nigeria, das 82. Reiseziel von Karol Wojtila\u00a0Der kurze Aufstieg und lange Untergang eines Dritte-Welt-\u00d6lriesens<br>Eine Dokumentation von Frank Jankowski aus Anla\u00df des Papst-Besuches (21.-23. M\u00e4rz 1998)<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>+++ ver\u00f6ffentlicht im&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.frankjankowski.de\/vita\/zeugnis\/nigeria_rm.htm\" target=\"_blank\">Rheinischen Merkur<\/a>&nbsp;und in der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.frankjankowski.de\/vita\/zeugnis\/nigeria_jf.htm\">Jungen Freiheit<\/a>&nbsp;&nbsp;+++<br><br><strong>Einleitung. Das Land der Superlative<\/strong><br><br>Nigeria ist ein unpopul\u00e4rer Staat. Das war schon immer so, denn es gab und gibt dort weder eine Apartheit noch eine Serengeti, weder Kriege nach au\u00dfen noch Fremdenverkehr nach innen. Und wer wei\u00df schon, da\u00df die 300 Kilometer \u00fcber dem \u00c4quator liegende Federal Republic sich gewisserma\u00dfen als &#8218;Schwitzfleck Afrikas&#8216; auf unserem Globus abzeichnet? Gel\u00e4ufiger d\u00fcrfte der Begriff Biafra sein und das nach dieser Region benannte Kind mit dem luftballongro\u00dfen Bauch-\u00d6dem &#8211; jenem Symbol f\u00fcr das Elend der Dritten Welt&#8230; Dabei ist Nigeria ein Land der Superlative. Knapp ein Viertel der gesamten afrikanischen Bev\u00f6lkerung lebt dort &#8211; 110 Millionen Menschen. Und das auf einer Fl\u00e4che, die zwar weniger als ein Drei\u00dfigstel des Kontinents ausmacht, daf\u00fcr jedoch dreimal so gro\u00df ist wie Deutschland. Daraus ergibt sich eine Bev\u00f6lkerungsdichte von 100 Menschen pro Quadratkilometer &#8211; ein europ\u00e4ischer Mittelwert. Von s\u00e4mtlichen Staaten Afrikas ist Nigeria derjenige mit den meisten Umst\u00fcrzen und Regierungswechseln &#8211; was offenbar mit dem Klima zusammenh\u00e4ngt, denn alle L\u00e4nder mit h\u00e4ufigen Staatsstreichen liegen in der tropischen und subtropischen Zone.<br>Als einziger afrikanischer Staat taucht Nigeria auf der Liste der zwanzig bedeutendsten Erd\u00f6ll\u00e4nder auf &#8211; und zwar an elfter Stelle. Auf der j\u00fcngst erschienenen Hitliste der vierzig korruptesten Nationen der Welt, die von den beiden international renommierten Forschungsunternehmen Control Risks Group und Industrial Research Bureau erstellt wurde, rangiert Nigeria auf Platz zwei &#8211; gleich hinter Ru\u00dfland. Hunderte von Gesch\u00e4ftsleuten, die mit sagenhaften Reibach-Versprechungen dorthin gelockt wurden, k\u00f6nnen ein Lied davon singen: Bakschischbeladen reisen sie aus aller Herren L\u00e4nder an den Golf von Guinea, um den schnellen Dollar zu machen, und sind dann heilfroh, wenn sie &#8211; abgezockt bis aufs Unterhemd &#8211; wenigstens lebendig wieder heimkommen&#8230; Doch Nigeria ist nicht nur ein Land der Vielen, Reichen und Kriminellen, sondern &#8211; neben den zahlreichen zum Teil in der Diaspora lebenden Sportskanonen, wie dem Bundesliga-Fu\u00dfballer Jonathan Akpoborie &#8211; auch ein Land der Dichter und Denker. Als erster Afrikaner wurde Wole Soyinka 1986 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet und 1994 erhielt der prominenteste nigerianische Regimekritiker, Ken Saro-Wiwa, den mit 375.000 Mark dotierten \u201eRight Livelihood Award\u201c, also den Alternativen Nobelpreis. Da\u00df Saro-Wiwa gleich darauf von der Milit\u00e4rjunta geh\u00e4ngt und Soyinka zum Tode verurteilt wurde, sind zwei weitere, zugleich die traurigsten, Weltrekorde Nigerias, denn das hatte es bisher nirgendwo gegeben, nicht einmal in der Sowjetunion oder in Deutschland.<br><br><strong>Ein \u00d6lfa\u00df und 350 K\u00e4sesorten unter einer Glocke<\/strong><br><br>Nigeria besa\u00df 1970 weit \u00fcber drei Mrd. Tonnen Roh\u00f6lreserven. Wenn man damals mit einer j\u00e4hrlichen F\u00f6rdermenge von 100 Mio. Tonnen kalkuliert h\u00e4tte &#8211; so der H\u00f6chststand 1993 -, w\u00e4ren die Quellen erst im zweiten Jahrtausend unserer Zeitrechnung versiegt. Selbst bei einem pessimistisch veranschlagten Absatzpreis von 10 Dollar pro Barrel fl\u00f6ssen also jedes Jahr rund sechseinhalb Mrd. Petrodollars ins Land. Ein solch betr\u00e4chtlicher Devisenzuflu\u00df sollte wohl ausreichen, m\u00f6chte man meinen, um eine landwirtschaftlich so \u00fcberaus potente Volkswirtschaft langsam zur h\u00f6chsten Bl\u00fcte zu treiben, zumal die Absatzpreise f\u00fcr Roh\u00f6l st\u00e4ndig angestiegen waren (in der Dekade 1971 bis 1981 immerhin von 4 auf 40 Dollar) &#8211; weit gefehlt&#8230;<br>Wie soll ich ein Land regieren, in dem es \u00fcber 350 K\u00e4sesorten gibt?! rief Charles de Gaulle einst resigniert aus. Auf Nigeria bezogen lie\u00dfe sich eine weit prek\u00e4rere Frage formulieren, etwa: Wie soll man ein Land regieren, in dem 350 Volksgruppen beheimatet sind? Ein Dilemma, an dem die Engl\u00e4nder nicht ganz unschuldig sind, da sie im 15. Jh. anfingen, sich all diejenigen Gebiete f\u00fcr ihren Menschen- und G\u00fcterhandel zu erschlie\u00dfen, die 1917 unter der Bezeichnung Nigeria zusammengefa\u00dft wurden und \u00fcbrigens um ein Haar &#8218;Negretia&#8216; gehei\u00dfen h\u00e4tten, w\u00e4re die Journalistin Flora Shaw nicht auf die glorreiche Idee gekommen, das Gebiet nach dem imposanten, 4400 Kilometer langen Strom zu benennen, der allj\u00e4hrlich rund 200 Mrd. Kubikmeter S\u00fc\u00dfwasser in den Atlantik sch\u00fcttet. Die vier gr\u00f6\u00dften ethnischen Gruppen dieser Region &#8211; Haussa, Yoruba, Ibo und Fulbe &#8211; liefern sich seit der Unabh\u00e4ngigkeit erbitterte Machtk\u00e4mpfe.<br><br><strong>Das Biafra-Kind<\/strong><br><br>Am 1. Oktober 1960 wird Nigeria in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassen. Damit ist es nach Ghana (1957) das zweite freie afrikanische Commonwealth-Land. Drei Jahre danach entdecken Erd\u00f6l-Explorateure in den Mangrovens\u00fcmpfen des Nigerdeltas riesige Vorkommen eines sehr hochwertigen Erd\u00f6ls &#8211; das sogenannte Bonny Island Crude, das sich mit der Qualit\u00e4t des europ\u00e4ischen Nordsee-Brent die Waage h\u00e4lt. Binnen weniger Monate hat dieser Fund ein krasses Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle zur Folge. Die schwelenden Animosit\u00e4ten zwischen den Volksgruppen entz\u00fcnden sich daran und flammen im Januar 1966 zu einem Putsch auf. Dieser erste Staatsstreich, mit dem sich J.T.U. Ironsi, ein Ibo, zum neuen Herrscher aufschwingt, l\u00e4utet eine \u00c4ra der Milit\u00e4rjuntas ein, die vorerst dreizehn Jahre andauern soll. Aber noch ehe die nigerianischen Schulkinder Ironsis Namen auswendig gelernt haben, f\u00e4llt er einem Attentat zum Opfer und Yakubu Gowon \u00fcbernimmt die F\u00fchrung &#8211; seine Dynastie enth\u00e4lt das wohl schw\u00e4rzeste Kapitel, das Nigerias Geschichtsb\u00fccher je werden zu verzeichnen haben &#8211; den Biafrakrieg, ein Rassenkrieg, ein Glaubenskrieg, ein \u00d6lkrieg.<br>Die im Laufe der Kolonialgeschichte zum Christentum konvertierten Ibos machen sich bei den muslimischen Haussas, Yorubas und Fulbe von Anfang an unbeliebt &#8211; wohl nicht zuletzt deshalb, weil sie es schnell zu einem weit \u00fcber dem Durchschnitt liegenden Lebensstandard bringen und als H\u00e4ndler, Juristen und Manager bald auch fast s\u00e4mtliche Schl\u00fcsselpositionen im Staat besetzen. Pl\u00f6tzlich kocht das b\u00f6se Blut auf, schreit nach Aderla\u00df, spritzt weit \u00fcbers Ziel hinaus und m\u00fcndet in einen Rassenpogrom. \u00dcberall im Lande werden Tausende von Ibos regelrecht abgeschlachtet &#8211; manche Insider beteuern, es seien Zehntausende gewesen. Die \u00fcbrige Welt nimmt keine Notiz von den Greueltaten am Niger, denn noch werden sie von den nah- und fern\u00f6stlichen Konflikten am Jordan und am Mekong \u00fcberschattet. Zu Hundertausenden fl\u00fcchten die verfolgten Ibos in den S\u00fcden ihrer Heimat und rufen am 30. Mai 1967 die Freie Republik Biafra aus, wo ein Gro\u00dfteil des Erd\u00f6ls gef\u00f6rdert und raffiniert wird. Eine Abspaltung Ibo-Biafras k\u00f6nnen die anderen St\u00e4mme also unm\u00f6glich dulden. Und so bricht zwei Monate sp\u00e4ter ein furchtbarer B\u00fcrgerkrieg aus, der drei Jahre lang das Land verw\u00fcsten und mindestens zwanzigmal mehr Menschenleben fordern wird als die Zahl s\u00e4mtlicher im Vietnamkrieg gefallener Amerikaner &#8211; die Quellen schwanken zwischen ein und zwei Millionen.<br>Und inmitten dieses Hexenkessels hockt ein afrikanisches Kleinkind, ungef\u00e4hr so alt wie Michael Jackson, den damals freilich noch kaum einer kennt. Das bestechend scharfe Portrait dieses Kindes erscheint wenig sp\u00e4ter in s\u00e4mtlichen Massenmedien der zivilisierten Welt. Aufgrund von Hypoprotein\u00e4mie (Eiwei\u00dfmangel im Blut) ist in den Unterhautgewebsspalten seines Bauches ein \u00d6dem von der Gr\u00f6\u00dfe eines prall aufgepusteten Luftballons herangewuchert. Das Kind blickt den Fotografen erstaunlich wohlwollend, ja geradezu g\u00fctig an, aber sein Ausdruck ist spiegellos, es hat seinen inneren Frieden bereits gefunden. Der medizinische Befund: Pr\u00e4mortales Hungerstadium nach unzureichender exogener Nahrungszufuhr. Jetzt ist auch die restliche Welt hellh\u00f6rig geworden, macht den Krieg zu ihrer ganz pers\u00f6nlichen Angelegenheit, schl\u00e4gt sich auf die eine oder andere Seite und feuert sie tatkr\u00e4ftig an &#8211; mit schwerer, unbezahlbarer T\u00f6tungsmaschinerie, die man, als das Geld alle ist, gratis liefert.<br>Auf den einsamen \u00dcberlandpisten, die sich schnurgerade durch Nigerias tropische Urw\u00e4lder ziehen, zeugen noch heute unz\u00e4hlige Bombenkrater von jenem B\u00fcrgerkrieg &#8211; sie sind mitunter so gro\u00df und so tief wie die t\u00fcrkisen Swimmingpools, die am Golf von Guinea auf keinem Million\u00e4rsgrundst\u00fcck fehlen. Wenn man sich bei seinem unverzichtbaren Leibw\u00e4chter nach den Menschenleichen erkundigt, die man dort zuweilen am Stra\u00dfenrand ersp\u00e4ht, bekommt man zur Antwort, entweder sie h\u00e4tten ein Schlagloch nicht gesehen oder sich geweigert, ihr Auto abzutreten. Ge\u00fcbte Fahrer jagen ihre Peugeots und Toyotas mit 190 Sachen \u00fcber den Asphalt und weichen den Kratern geschickt aus. Unge\u00fcbte fahren genauso schnell, aus Angst vor \u00dcberf\u00e4llen, und bleiben trotzdem auf der Strecke. Die Stra\u00dfenkriminalit\u00e4t Nigerias ist eine der erschreckensten der Welt. \u00dcber die in den Gossen der Gro\u00dfst\u00e4dte herumliegenden Leichen erf\u00e4hrt man von einer dritten Sterbeursache: Verhungert. Wenigstens sind deren Oberk\u00f6rper zumeist mit alten Zeitungen oder Blechteilen bedeckt.<br><br><strong>Der Siebziger-Jahre-Boom<\/strong><br><br>Die siebziger Jahre stehen im Zeichen eines so immensen Booms, da\u00df Nigerias neureiche Politiker vor lauter Geldscheffelei ihre so fruchtbare Landwirtschaft vollst\u00e4ndig vergessen. Sie verjubeln ihre Petrodollars wie einen Lottogewinn. Der Handel bl\u00fcht, man nimmt verschwenderisch Kredite auf und binnen weniger Jahre sprie\u00dfen im S\u00fcden bombastische Industrieanlagen, S\u00e4gewerke, Zementfabriken, Druckereien und Kfz-Montagewerke aus dem Boden &#8211; alles auf Pump. Galten Agraprodukte wie Baumwolle, Erdn\u00fcsse, Kakao, Kautschuk, Palmprodukte und Holz bis Mitte der sechziger Jahre noch als Exportschlager, so mu\u00df der wachsende Bedarf ab Ende der Siebziger zunehmend durch Importe gedeckt werden, denn die eigenen Felder liegen mittlerweile brach. Wir haben ausgesorgt, denkt man sich, wertet stolz den Naira auf, und kann deshalb bald von sich behaupten, nach Kuwait das teuerste Land der Erde zu sein.<br><br>Schnell treiben Patronage und Protektionismus ihre Metastasen durch den staatlichen Organismus. Die unmittelbaren Folgen dieser t\u00f6richten Politik sind \u00c4mterh\u00e4ufung, Korruption und infantiles Mi\u00dfmanagement. Die mittelbaren: Soziale Ungerechtigkeit, Arbeitslosigkeit, Armut. Diejenigen, die als Wassertr\u00e4ger oder Autoscheibenputzer bislang einigerma\u00dfen \u00fcber die Runden gekommen sind, k\u00f6nnen jetzt nicht einmal mehr ihre t\u00e4glich Yam- oder Garriration finanzieren, denn die Nahrungsmittelpreise schie\u00dfen durch die Notwendigkeit des Imports in astronomische H\u00f6hen. Wer nicht verhungern will, sieht sich gezwungen, zu stehlen. Aber auf den Freiluftm\u00e4rkten, wo alles in H\u00fclle und F\u00fclle zu haben ist &#8211; angefangen von russischem Beluga-Kaviar bis hin zu deutschen Dr.-Best-Zahnb\u00fcrsten -, wei\u00df man sich schnell gegen die Diebe zu wehren: Wen man beim Klauen erwischt, sei es auch nur ein P\u00e4ckchen Milchpulver, wird mit vereinten Kr\u00e4ften gejagt, gefangen, ans n\u00e4chste Stra\u00dfenschild gebunden, mit Benzin \u00fcbergossen und angesteckt.<br>Alles in Allem der ideale N\u00e4hrboden f\u00fcr einen Coup d&#8217;Etat. Und im Hochsommer 1975 geschieht er dann auch &#8211; nunmehr zum dritten Mal.<br><br><strong>Metropolis und die Zweite Republik<\/strong><br><br>Der n\u00e4chste Staatschef und Oberkommandierende der Streitkr\u00e4fte hei\u00dft Murtala Ramet Muhammed &#8211; ein Guter, der die Welt mit einem Akt der Vaterlandsliebe verbl\u00fcfft: Zum 15. Jahrestag der Unabh\u00e4ngigkeit verk\u00fcndet er die Macht\u00fcbergabe an eine Zivilregierung. Doch sein ambitioniertestes Projekt entpuppt sich zugleich als das mi\u00dfliebigste in den eigenen Reihen und so kommt es im darauffolgenden Jahr, 1976, zum vierten Putsch. Der Umsturzversuch scheitert zwar, aber er kostet nicht blo\u00df das Leben der f\u00fcnfzig zum Tode verurteilten Reaktion\u00e4re, sondern auch das des Reformers &#8211; Murtala Muhammed, heute ist einer der gr\u00f6\u00dften Flugh\u00e4fen des Kontinents nach ihm benannt.<br>Seine Politik wird fortgesetzt &#8211; von Olusegun Obasanjo, sp\u00e4ter einer der einflu\u00dfreichsten afrikanischen Diplomaten, der 1990 den in San Francisco ausgelobten Africa Prize for Leadership erh\u00e4lt und im Mai &#8217;96 mit dem Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung geehrt wird, wo sein Freund, Helmut Schmidt, die Laudatio liest. Endlich kann man sich auch dem Bau der neuen Hauptstadt widmen, die in der Mitte des Landes als Drehweiche zwischen den Religionen fungieren und eine Fl\u00e4che einnehmen soll, auf der man Berlin ganz bequem viermal unterbringen k\u00f6nnte: Abudja. Aus der ganzen Welt werden die renommiertesten Baufirmen zusammengetrommelt und wenig sp\u00e4ter wuchert auf der Savanne eine Baustelle, gegen die sich der Potsdamer Platz heute wie ein Maulwurfsh\u00fcgel ausnimmt. Abudja &#8211; das afrikanische Metropolis, das glorreiche Wahrzeichen des Anschlusses an die Erste Welt.<br>Doch die Weltwirtschaftskrise und die anschlie\u00dfende \u00d6lschwemme machen den Bauherren einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Die Gro\u00dfabnehmer warten mit radikalen Energiesparma\u00dfnahmen auf, allein in Deutschland geht der \u00d6lverbrauch zwischen 1979 und &#8217;81 von 144 auf 115 Millionen Tonnen zur\u00fcck, Brasilien steckt 7,5 Mrd. Dollar in die Methanolgewinnung aus Zuckerrohr und der Exxon-Konzern rund 3,5 Mrd. in den Abbau des Colorado-\u00d6lschiefers, in dem Geologen 272 Mrd. Tonnen \u00d6l vermuten &#8211; mithin das Dreifache der damals bekannten Weltvorr\u00e4te. Die Preise fallen ins Bodenlose und die \u00d6lscheichs am Niger sehen sich nun au\u00dfer Stande, ihre enormen Schuldenlasten zu tragen, geschweige denn, diejenigen Verbindlichkeiten weiterhin zu bedienen, die tagt\u00e4glich durch den Bau der gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen Retortenstadt anfallen. Dem deutschen Bauunternehmen Strabag wird lediglich ein Siebtel der geleisteten Arbeit verg\u00fctet. Jede Firma, die noch etwa zu verlieren hat, l\u00e4\u00dft alles stehen und liegen und macht sich schleunigst davon. In Abudja leben heute genauso viele Menschen wie in Essen. Lagos dagegen, die alte Hauptstadt, wird nach UNO-Sch\u00e4tzungen bald der gr\u00f6\u00dfte Slum der Erde sein &#8211; mit rund 25 Millionen Einwohnern.<br><br><strong><em>\u201eIch w\u00fcnschte, die Kolonialherren k\u00e4men zur\u00fcck!\u201c<\/em><\/strong><br><br>Um die Importkosten von \u00fcber zwei Milliarden Dollar zu dr\u00fccken, besinnt man sich nun wieder auf den Agrarsektor und ruft mit bunten Plakaten zur Gr\u00fcnen Revolution auf, doch Pepsi-Cola-Plakate finden bei weitem mehr Resonanz. Also versucht man es mit einer Vervielfachung der Einfuhrz\u00f6lle, doch anstatt die Rechnungen zu dr\u00fccken, erbl\u00fcht das Korruptions- und Schmuggelgesch\u00e4ft. Verkehrsminister Umaro Dikko, ein Schwager des Pr\u00e4sidenten Shagari, geht dabei als zweifellos unverfrorenster Betr\u00fcger in die Analen der afrikanische Skandale ein: Innerhalb von nur zwei Jahren veruntreut er Staatsgelder in H\u00f6he von vermutlich drei Mrd. Mark. Drei Milliarden &#8211; das ist der deutsche Jahresumsatz von McDonalds &#8211; ein einzelner k\u00f6nnte damit (ohne Zinsen) ein ganzes Jahrhundert lang jeden Tag hunderttausend Mark auf den Kopf hauen.<br><br>Dikkos Machenschaften gehen simpel vonstatten: Er kauft Reis mittels \u00f6ffentlicher Gelder lagerhausweise ein, verh\u00f6kert ihn zum doppelten und dreifachen Preis und schleust die Differenz&#8230; na, wohin wohl? Aufgedeckt wird der sagenhafte Verlust erst, als es zu sp\u00e4t ist, denn Dikko hat sich kurz vor dem l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen f\u00fcnften Putsch ins Londoner Domizil abgesetzt. Dem neuen Machthaber f\u00e4llt nichts Kl\u00fcgeres ein, als sofort dessen gewaltsame Heimholung zu inszenieren, und so gipfelt die wohl beispielloseste Frechheit der Veruntreuungsgeschichte in den vermutlich dilettantischsten Coup seit Erfindung des Kidnappings &#8211; Nigeria, eine Nation der Superlativen.<br>Verdiente Nigeria noch 1980 rund 22 Mrd. Dollar an seinem \u00d6l, so sind es in Shagaris letztem Legislaturjahr gerade noch zehn &#8211; also nicht einmal ein F\u00fcnftel des Einkommens, den damals etwa die kolumbianische Mafia mit ihrem Drogenhandel erzielt. Die Brachialmethoden, mit denen der 41j\u00e4hrige ehemalige \u00d6lminister und nun j\u00fcngste Juntachef, Mohammed Buhari, das Chaos zu beseitigen gedenkt, stehen denen der Mafia in nichts nach. WAI buchstabiert sich der neue Slogan, der dem Volk eingeimpft wird: War Against Indiscipline. Wer zu sp\u00e4t zur Arbeit kommt oder seinen M\u00fcll nicht entsorgt &#8211; Liegt eine Leiche in Ihrer Stra\u00dfe?, lautet die \u00dcberschrift eines Flugblattes -, wandert ins Gef\u00e4ngnis. Aber selbst die Wiedereinf\u00fchrung der Todesstrafe vermag das \u00dcbel nicht einzud\u00e4mmen. Und als die Gef\u00e4ngnisse \u00fcberquellen, zum Teil von Studenten, die zu f\u00fcnf Jahren verdonnert werden, weil sie in Klausur auf des Nachbars Blattes gelinst haben, geht man zum Standrecht \u00fcber. Provisorische Milit\u00e4rtribunale d\u00fcrfen jetzt ohne weiteres Todesurteile verh\u00e4ngen und gleich auch nach Herzenslust vollstrecken. Ich w\u00fcnschte, die Engl\u00e4nder k\u00e4men zur\u00fcck und w\u00fcrden uns die n\u00e4chsten f\u00fcnfzig Jahre regieren, zaudert der Gouverneur des Bundesstaates Imo.<br><br><strong>Der Slapstick-Coup vom 8. Juli 1984<\/strong><br><br>Trotz dieser Zust\u00e4nde bittet Buhari den Internationalen W\u00e4hrungsfonds um eine Vitaminspritze von zweieinhalb Mrd. Dollar &#8211; &#8218;Peanuts&#8216; im Vergleich zu den 21 Mrd., die der IWF gerade erst den S\u00fcdkoreanern gew\u00e4hrte, f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse allerdings ein ganzer Batzen. Drei F\u00fcnftel dieses Betrages hat Nigerias Staatsfeind Nummer eins veruntreut &#8211; Umaro Dikko, ein smarter Typ mit aalglatten Gesichtsz\u00fcgen, der im viktorianischen Exil ein Leben in Saus und Braus f\u00fchrt und sich den Papparazzi gerne in jenen schmucken Gew\u00e4ndern seines Stammes zeigt. Das schreit nach Vergeltung. Ein offizielles Auslieferungsbegehren jedoch ist von vornherein zum Scheitern verurteilt und so heuert Buhari zwei ehemalige Haudegen des israelischen Geheimdienstes an. Am hellichten Tag \u00fcberfallen die Ex-Mossad-Agenten den Milliard\u00e4r vor seiner Villa, lassen ihm von dem mitgebrachten Arzt soviel Pentathol in die Vene pumpen, da\u00df selbst ein Nashornbulle in die Knie gehen w\u00fcrde, stecken ihn zusammen mit dem An\u00e4sthesisten in eine Kiste und geben Fersengeld. Dikkos Sekret\u00e4rin schl\u00e4gt unverz\u00fcglich Alarm. Binnen einer Stunde ist nicht nur die gesamte Londoner Polizei auf den Beinen, sondern auch jeder Skandal-Reporter, der was auf sich h\u00e4lt. Und nachdem alle Ausfallstra\u00dfen und nigerianischen Einrichtungen abgesperrt sind, trudeln in Stansted zwei mannsgro\u00dfe, mit Luftl\u00f6chern versehene, Holzkisten ein, deren Frachtpapiere zu allem \u00dcberflu\u00df formale Fehler aufweisen. Sie sind als Diplomatengep\u00e4ck getarnt und m\u00f6chten mit einer g\u00e4hnend leeren Frachtmaschine der Nigerian Airways direkt nach Lagos geschafft werden&#8230; Unter lautstarkem Protest werden die Kisten aufgebrochen. Zum Vorschein kommen ein halbtoter Nigerianer, der wegen der \u00dcberdosis Bet\u00e4ubungsmittel bis heute teilweise gel\u00e4hmt ist, sowie drei achselzuckende Israelis. Der ganze Coup, kommentiert die Schweizer Weltwoche, war j\u00e4mmerlich dilettantisch vorbereitet. &#8211; das pa\u00dft zum j\u00fcngsten Versuch des Mossad, die iranische Vertretung in Bern zu verwanzen, aber keineswegs zu dem Profi-Werk, mit dem das Institut im Sommer 1989 den schiitischen Scheich Obeid kidnappte, oder damals Adolf Eichmann aus Buenos Aires &#8211; nicht etwa in einer phantasielosen Kiste, sondern filmreif, in der Verkleidung eines kranken El-Al-Stewards.<br><br><strong>Vorbereitung zum Despotismus<\/strong><br><br>Im Sommer 1985 putscht sich der Fulbe Ibrahim Babangida an die Spitze. Mit Hilfe des Mossad gr\u00fcndet er sogleich den ber\u00fcchtigten SSS (State Security Service), der den Vergleich mit dem stalinistischen Tscheka nicht zu scheuen braucht und beweist vor allem dann gro\u00dfes Talent, wenn es darum geht, Andersdenkenden Furcht einzufl\u00f6\u00dfen. Nachdem er gro\u00dfherzig die Pressefreiheit ausgerufen hat, wird ein kritischer Journalist von einer Bombe zerrissen. Am 2. August 1989 mu\u00df der bekannte Feuilletonist Dap Dorman f\u00fcr einen unvorsichtigen Artikel zu Kreuze kriechen: \u201eNo Offence meant!\u201c. Als Babangida sich jedoch anschickt, mit dem damals prominentesten Menschenrechtler, Gani Fawehinmi, kurzen Proze\u00df zu machen, weil der Jura-Professor ein paar blutr\u00fcnstige SSS-Schergen vor den Kadi zerren wollte, \u00fcberschlagen sich die internationalen Proteste. Im Gegensatz zu seinem unerbittlichen Amtsnachfolger l\u00e4\u00dft Babangida sich noch davon beeindrucken &#8211; er schenkt dem Mann die Freiheit und obendrein 10.000 Naira &#8211; f\u00fcr dieses Geld kann man damals ein Mountainbike erwerben &#8211; immerhin.<br>Visiten englischer Politiker verm\u00f6gen die junge Junta keineswegs zu beeindrucken. Als Margret Thatcher 1988 ihren Besuch ank\u00fcndigt, zeigt man ihr die kalte Schulter. Und als die m\u00e4chtige Potentatin dann doch da ist, wird sie als rassistisch und arrogant verunglimpft sowie als Mutter der Apartheid bezeichnet. Den letzten Affront kann man verstehen. Zwei F\u00fcnftel aller afrikanischen Staaten stehen damals unter der Fuchtel militaristisch-totalit\u00e4rer Regimes, aber fast alle setzen sich konsequent f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Apartheid ein &#8211; Nigeria spielte hierbei von jeher eine energische Vorreiterrolle.<br><br><strong>Den Bach runter<\/strong><br><br>Nach vierzehn Jahren finden 1993 erstmals wieder demokratische Wahlen statt, doch General Sani Abacha (sein Name wird wie der seines Vorg\u00e4ngers auf dem zweiten a betont) anulliert das Ergebnis und schwingt sich kurzerhand selbst in den Sattel des hohen Rosses. Er rei\u00dft die Macht an sich, bei\u00dft sich wie ein Kampfhund in ihr fest und l\u00e4\u00dft sie nicht mehr los. Unter seiner Fuchtel geht nun auch das letzte bi\u00dfchen Ansehen Nigerias den Bach runter. Nach Vorbild der Schreckgespenster des postkolonialen Afrikas &#8211; Amin, Bokassa, Mobuto &#8211; wirft auch Sani Abacha binnen k\u00fcrzester Zeit s\u00e4mtliche Rest-Werte \u00fcber Bord &#8211; mit Ausnahme derjenigen nat\u00fcrlichen, die von einem der gro\u00dfen Mineral\u00f6lkonzerne vorgeschrieben werden &#8211; was auf dasselbe Symbol hinausl\u00e4uft, auf jenes l\u00e4ngs durchgestrichene S.<br>Der ehemalige Verteidigungsminister mutiert zum schlimmsten Feind des eigenen Landes. All die bekannt gewordenen Ermordungen, die auf Abachas gr\u00fcne Kappe gingen und nach wie vor gehen, all die namhaften und namenlosen Namen von Gefolterten und willk\u00fcrlich Verhafteten aufzulisten, die dieser Pitbull auf dem Gewissen hat, w\u00fcrde den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen, dennoch&#8230;<br><br><strong>Leichen pflastern seine Herrschaft<\/strong><br><br>Moshood Abiola, der rechtm\u00e4\u00dfige Wahlsieger vom Vorjahr, verschwindet 1994 im Gef\u00e4ngnis. <strong>1995 wird zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte ein Nobelpreistr\u00e4ger offiziell hingerichtet<\/strong> &#8211; Ken Saro-Wiwa. Mit ihm sterben sechsundzwanzig weitere Regimegegner am Galgen. Die einzige Reaktion der \u00fcbrigen Welt: Gro\u00dfbritannien suspendiert Nigerias Commonwealth-Mitgliedschaft. Im Sog einer ganzen Verhaftungswelle, angeordnet, um einem angeblichen Staatsstreich vorzubeugen, wird Ex-Regierungschef Olusegun Obasanjo, der \u201eVater der II. Republik\u201c, das \u201eGewissen Nigerias\u201c, der Freund Helmut Schmidts, festgenommen und eingesperrt &#8211; ohne Anklageerhebung, ohne offizielle Meldung. Abachas Marionetten verurteilen ihn zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Anschlie\u00dfend kommen auch seine Anw\u00e4lte, Tunji Abayomi und Abdul Oro hinter Gitter. Der Hauptbelastungszeuge gegen Obasanjo gibt sp\u00e4ter zu, unter Folter ausgesagt zu haben. Abacha bleibt weiter an der Spitze der Macht. Das Verlagsgeb\u00e4ude der regimekritischen Zeitungen Tempo und AM News brennt im Januar 1996 bis auf die Grundmauern nieder. Gleich darauf werden in Schauprozessen angeblich Verd\u00e4chtige des Mordes am bekannten Oppositionspolitiker Rewane angeklagt, der zwei Monate zuvor erschossen worden war &#8211; vermutlich von Abachas S\u00f6ldnern. Im Juni wird Kudirat Abiola ermordet &#8211; die Frau des inhaftierten Pr\u00e4sidenten. Eine Farce: Sani Abacha setzt eine Belohnung auf die Ergreifung der T\u00e4ter aus &#8211; er d\u00fcrfte sie in den Reihen der ber\u00fcchtigten Kill-and-go-Truppe finden, die schon in Saro-Wiwas Heimatregion, dem Ogoni-Land, zahllose Morde im Auftrag der Diktatur begangen hatte. 1997 wird Wole Soyinka in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er fordert einen internationalen Wirtschaftsboykott gegen Nigeria, wie damals gegen S\u00fcdafrika, sowie den endg\u00fcltigen Ausschlu\u00df aus dem Commonwealth. Das Argument, die Apartheid sei schlimmer gewesen, weil programmatisch, l\u00e4\u00dft er nicht gelten: Nelson Mandela lebt, Ken Saro-Wiwa ist tot. Die USA sind mit 40% der weitaus gr\u00f6\u00dfte Abnehmer nigerianischen \u00d6ls, das nach wie vor zu \u00fcber 95% den Au\u00dfenhandel dominiert. Spanien bezieht etwa zehn Prozent der \u00d6lexporte, wir Deutschen dagegen, die wir haupts\u00e4chlich aus Ru\u00dfland, Norwegen, England und Libyen importieren, lediglich vier. Obwohl Nigeria den \u00d6labsatz zwischen 1990 und 1996 von 91 auf 111 Mio. Tonnen pro Jahr steigert, verringern sich die Jahreseinnahmen um rund acht Prozent auf 10,6 Mrd. Dollar, da die Roh\u00f6lpreise stetig sinken &#8211; von 22,3 auf 15 Dollar pro Barrel. Der Irak beispielsweise, der noch 1990 100 Mio. Tonnen zutage f\u00f6rderte, drosselte seine Produktion bis &#8217;96 auf 30 Mio. Tonnen.<br>Kurz vor der Jahreswende 97\/98 schneidet Abacha sich zweimal ins eigene Fleisch: Obasanjos fr\u00fcherer Vizepr\u00e4sident, Shehu Musa Yar&#8217;Adua &#8211; ein Stammesgenosse des Diktators, was gerade in Nigeria viel bedeutet &#8211; kommt auf mysteri\u00f6se Weise im Kerker ums Leben. Dann l\u00e4\u00dft er seinen eigenen Stellvertreter, General Oladipo Diya, verhaften &#8211; sp\u00e4testens jetzt wissen es auch Abachas Freunde: Keiner ist vor der Willk\u00fcr dieses Wahnsinnigen mehr sicher. Und als ob der Dreck vor der eigenen Haust\u00fcr nicht gro\u00df genug w\u00e4re, mischt sich der Despot nun auch noch in die Angelegenheiten Sierra Leones ein: Ein nigerianisches Kriegsschiff beschie\u00dft im Mai die Hauptstadt Freetown&#8230;<br><br><strong>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/strong><br><br>Der deutsche PEN trat mehrmals f\u00fcr inhaftierte, mi\u00dfhandelte nigerianische Autoren ein, im letzten Dezember f\u00fcr Akinwumi Adesokan. Ein weiterer, Ogaga Ifowodo, wurde diesen Januar sogar zum Ehrenmitglied ernannt &#8211; doch auf Sani Abacha macht ein deutscher F\u00fcller nat\u00fcrlich keinen Eindruck.<br>Aber etwa die H\u00e4lfte aller Nigerianer sind Christen. Und vom 21. bis zum 23. M\u00e4rz wird Karol Wojtyla dem Schwitzfleck Afrikas, dem zweitkorruptesten Land der Erde einen p\u00e4pstlichen Besuch abstatten &#8211; der zweite seit 1982. Der Papst komme damit in ein Land, f\u00fcr dessen Machthaber augenscheinlich die G\u00f6tterd\u00e4mmerung angebrochen sei, schreibt die Katholische Nachrichtenagentur. Als offizieller Anla\u00df dient die Seligsprechung eines der ersten afrikanischen M\u00f6nche, des Trappisten Cyprian Tansi (1903-64). Tansi hatte als junger Pfarrer den kleinen Francis Arinze getauft, der heute als einflu\u00dfreichster afrikanischer Kardinal im Vatikan residiert &#8211; das eigentliche Motiv der strapazi\u00f6sen Visite d\u00fcrfte somit eine Levitenlesung w\u00e4hrend des H\u00f6flichkeitsbesuches beim Staatsoberhaupt im State House von Abudja sein, der gleich als erstes auf dem Programm steht. F\u00fcr den Pilger im Petrusamt sei dies keine neue Erfahrung; sein kompromi\u00dfloses Eintreten f\u00fcr die Menschenrechte habe bereits mehreren Regimen den Todessto\u00df versetzt. Weder Baby Doc Duvalier in Haiti, Stroessner in Paraquay, Marcos auf den Philippinen noch Pinochet in Chile h\u00e4tten sich in ihren Sesseln halten k\u00f6nnen, nachdem der Papst ihren gepeinigten Untertanen den R\u00fccken gest\u00e4rkt h\u00e4tte &#8211; so zumindest sieht es das apostolische Sprachrohr. Nun ja, man darf gespannt sein, was der m\u00e4chtigste Christ jenem mehrfachen moslemischen Tods\u00fcnder predigen wird, \u00fcber den Erzbischof Tutu unl\u00e4ngst urteilte: Wir haben es mit einem boshaften Menschen zu tun. Ein \u00d6lbykott w\u00fcrde auch in Abachas Dickkopf Wirkung zeigen. Nigerias Auslandsverschuldung betr\u00e4gt 35 Mrd. Dollar, die durchschnittliche Inflationsrate der letzten zehn Jahre liegt bei 35%. Im Sommer soll eine demokratische Regierung gew\u00e4hlt werden &#8211; wer&#8217;s glaubt wird selig.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nigeria, das 82. 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