{"id":118,"date":"1991-04-08T22:26:18","date_gmt":"1991-04-08T20:26:18","guid":{"rendered":"http:\/\/frankjankowski.de.w01a8fb4.kasserver.com\/wp_textblog\/?p=118"},"modified":"2020-04-08T22:28:26","modified_gmt":"2020-04-08T20:28:26","slug":"die-andrologin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/die-andrologin\/","title":{"rendered":"Die Andrologin"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eine Kurzgeschichte von Frank Jankowski aus dem Jahr 1991.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;Wie bitte?&#8216; Anatol stutzte: \u201eEs gibt nichts Erotischeres, als die fasanigen Klasmen einer strammen jungen Lesbe.\u201c Zum wiederholten Male war Anatol \u00fcber einen solchen Satz gestolpert. Nun massierte er mittels Daumen und Zeigefinger die Sattellage seines Nasenbeins, schlug die letzte, mit einer inakzeptabel hohen Zahl versehenen, Seite auf, klappte den Roman zu und f\u00e4llte schlie\u00dflich jenes Urteil, das er schon bald wieder revidieren sollte: &#8218;Wie fantasielos!&#8216; Dabei wu\u00dfte er die bildhaften Wortsch\u00f6pfungen des Autors durchaus zu w\u00fcrdigen, rang er doch selbst oft genug nach griffigen Wendungen \u2013 zum Beispiel um sich bei stilleren Liebhaberinnen nach dem Erfolg seiner Paarungsmethode zu erkundigen. Am wenigsten behagte ihm die Formulierung mit diesem peinlichen Bewegungsverb: \u201eGekommen! Wohin denn, bitte sch\u00f6n?\u201c \u2013 \u201eNa zum Orgas&#8230;\u201c \u2013 \u201eSchweig! &#8211; Wie kann man ein solch erhabenes Gef\u00fchl durch ein schn\u00f6des Fremdwort ausdr\u00fccken?! \u00bbOrgasmus\u00ab! \u2013 Nach einer Unannehmlichkeit klingt das ja geradezu. Weshalb? Dr\u00fcckt ein ganzes Volk solch eine Sache durch ein ausl\u00e4ndisches Wort aus? Was ist das f\u00fcr eine Sprache, die zum Ausdruck h\u00f6chster Wonne fremde Wortsch\u00e4tze anpumpt? Warum hat man sich kein eigenes Wort ausgedacht, so wie man sich f\u00fcr negative Beschleunigung \u00bbbremsen\u00ab ausgedacht hat? Ist da irgendwann einmal ein Grieche gekommen und hat einer Deutschen das Wort beigebracht? \u00bbAvt\u00f3 ine Orgasmo!\u00ab Oder eine Griechin einem Deutschen? Haben denn die Deutschen bis dahin keinen eigenen Bedarf an dieser Vokabel gehabt? An dieser Sache? An diesem Gef\u00fchl? An diesem Ursprungserlebnis aller Strebungen und Wollungen? Anatol lehnt die meisten deutschen W\u00f6rter ab, die zur Abgrenzung der Geschlechter erfunden worden sind. Eigentlich alle. Erst recht diejenigen, die die \u00dcberwindung dieser Abgrenzung ausdr\u00fccken.\u201eWir brauchen endlich einen eigenen Begriff \u2013 so etwas wie Rauschend gestilltes Verlangen&#8216; in einem Wort.\u201cDachte er.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdenklich wanderte sein Blick durch das Wartezimmer, in dem er seit geraumer Zeit auf die Audienz seines M\u00e4nnerarztes wartete.Miteinander schlafen!\u2026 Man ist doch wach dabei, immer wacher, hellwach. In Johann Heinrich Zedlers 68-b\u00e4ndigem Universallexikon von 1734 steht es mit Doppel-F: \u00bbBeischlaff heisset die fleischliche Vermischung des m\u00e4nnlichen Geschlechts mit dem weiblichen, welche allen bekannt ist \u2026\u00ab \u00bbDie fleischliche Vermischung, welche allen bekannt ist\u00ab \u2013 wie zeitlos. \u00bbSonst ist anzumerken\u00ab, hat der Mann noch geschrieben, der Anatols Urururururgro\u00dfvatersein k\u00f6nnte \u2013 Anatol hat vierundsechzig davon und kennt von keinem einzigenden Beruf \u2013 \u00bbSonst ist anzumerken, dass von dem allzu h\u00e4ufigen Genuss des Beischlaffes gro\u00dfe Krankheiten entstehen, doch man sich nicht weniger viele Ungelegenheiten zuziehen kann, wenn man solchen ganz und gar unterl\u00e4sst.\u00abNein, dann schon lieber \u00bbGeschlechtsverkehr\u00ab, wenn das auch irgendwie schlecht und verkehrt klingt, und wenn auch mit \u00bbVerkehr\u00ab kaum jemand eine malerische Landstra\u00dfe meint, auf der zwei Automobile einander begegnen,sondern vielmehr ein un\u00fcberschaubares Gewirr von \u00fcber- und untereinander verlaufenden, sich kreuzenden, sich ineinander verwickelnden, parallelen und windschief zusammengef\u00fchrten Asphaltbahnen und Betonpisten, auf denen Tausende von zum Verwechseln \u00e4hnlichen Kraftfahrzeugen sich unter einer Dunstglocke tr\u00e4ge dahinschleppen\u2026 Seines M\u00e4nnerarztes! Wochen waren vergangen, seit er das Branchenbuch nach diesem Kerl durchforstet hatte \u2013 nat\u00fcrlich vergeblich. Gyn\u00e4kologen gab es reichlich, um nicht zu sagen massenhaft, aber Andrologen? Nicht einen! Erst in der Uniklinik war er f\u00fcndig geworden. Und nun lungerte er also gerade in dessen Vorraum herum, als endlich die erhoffte T\u00fcr aufgesprengt wurde, und ein hektisches Fr\u00e4ulein den Hilfesuchenden hereinscheuchte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Arzt wies Anatol einen Hocker zu und verlas schnurstracks die Anamnese, w\u00e4hrend seine Sprechstundenhilfe sich in einen Sessel pflanzte, als sei dies das Selbstverst\u00e4ndlichste von der Welt. \u201eAkuter Kinderwunsch \u2013 seit zwei Jahren erfolglos. Verlobte: negativer Befund\u2026 \u201eWie oft hatten Sie denn Verkehr mit Ihrer Verlobten?\u201c Hier schluckte Anatol \u2013 er ha\u00dfte es, l\u00fcgen zu m\u00fcssen, doch in Wahrheit war er nunmal weder verlobt, noch hegte er momentan besonders dringende Kinderw\u00fcnsche. Allerdings hatte er trotz zahlreicher sexualpraktischer Nachl\u00e4ssigkeiten im Gegensatz zu seinen Freunden noch nie auch nur die geringste Zellteilung verursacht \u2013 genau dies machte ihm zu schaffen, und zwar so arg, dass er mittlerweile ernsthaft an seiner Fortpflanzungsf\u00e4higkeit zweifelte. Jedenfalls hatte er, um diese qu\u00e4lenden Zweifel ein f\u00fcr alle Male auszumerzen, sichschlie\u00dflich in den Vorwand einer Familiengr\u00fcndung gefl\u00fcchtet\u2026 Also wie oft? \u201eNa ja, also\u2026 meistens haben wir abgewartet, bis ihr Eisprungkam, damit\u2026\u201c Und schon deutete sein Androloge auf eine spanische Wand:\u201eSch\u00f6n, dann wollen Sie sich untenrum bitte mal freimachen.\u201cGewi\u00df wollte er das. Aber die Anwesenheit einer Frau war eigentlich nicht ausgemacht. Nicht etwa, dass er sich genierte\u2026 Gut, das eine oder andere\u2026 Gliedma\u00df h\u00e4tte ruhig ein bi\u00dfchen, sagen wir, repr\u00e4sentabler oder: \u201aAchtung gebietender\u2018 ausfallen k\u00f6nnen, aber darum ging es ja nicht; es ging ums Prinzip!\u2026 \u201eAch so!\u201c Der Arzt hatte begriffen. \u201eMacht es Ihnen was aus, wenn meine Assistentin der Untersuchung beiwohnt?\u201c \u2013 \u201eAber nein, um Gottes Willen, kein Problem!\u201c Unwillk\u00fcrlich schwenkte Anatols Blick auf besagte Assistentin, die sich soeben weit zur\u00fcck lehnte und beidarmig ihr volles Haar aufsch\u00fcttelte. Dabei kam er nicht umhin, sich ein ziemlich klares Bild von der Topographie ihres Oberk\u00f6rpers zu machen. Hier mu\u00dfte Anatol abermals schlucken, um gleich darauf weltm\u00e4nnisch abzuwinken: \u201eUnd au\u00dferdem, ich meine\u2026 wenn es der Wissenschaft dient\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz darauf stand er in Unterhose vor den beiden. Der Mann krempelte die feingerippte wei\u00dfe Baumwolle fachgerecht um und inspizierte erst einmal in aller Ruhe die schrumpelige Dreifaltigkeit unter dem krausen Haarb\u00fcschel. Dann holte er pl\u00f6tzlich tief Luft und spitzte seine Lippen wie zu einem gewichtigen Befund. Unserem Helden stockte der Atem\u2026\u201eGutes deutsches Mittelma\u00df w\u00fcrde ich sagen.\u201cTja also \u2013 einer solchen Wertung brauchte man sich ja nun wahrhaftig nicht zu sch\u00e4men! Gutes Mittelma\u00df! Der Zweifler atmete erleichtert auf. Und am liebsten h\u00e4tte er dem Verk\u00fcnder der frohen Botschaft auch gleich noch recht herzlich die Hand gesch\u00fcttelt. Doch \u00fcber die wurden soeben ein Paar Latexhandschuhe gepfriemelt. Es k\u00f6nne nun ein bi\u00dfchen unangenehm werden, hie\u00df es. Anatol hatte dieses `Ein bisschen unangenehm&#8216; zu oft beim Zahnarzt geh\u00f6rt. In Erwartung gellender Schmerzen runzelte sich das gute deutsche Mittelma\u00df deshalb unverz\u00fcglich auf ein sehr viel bescheideneres Ma\u00df zusammen. Und w\u00e4hrend der M\u00e4nnerspezialist die eingeigelten Beutelchen wog, deren Inhalte hin und her murmelte und die dahinter gelegenen Str\u00e4nge zwirbelte, wurde die Stirn seines Sch\u00fctzlings von einem Heer banger Schwei\u00dfperlen bev\u00f6lkert. Umsonst, wie sich herausstellte, denn das Gellen blieb aus \u2013 eigentlich sogar der Schmerz an sich. Ja vermutlich h\u00e4tte unser deutscher Mittelma\u00dftr\u00e4ger die Inspektion sogar richtiggehend angenehm gefunden, w\u00e4ren blo\u00df die Umst\u00e4nde andere gewesen!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSoweit alles in Ordnung.\u201c Der Androloge erhob sich, und ein Hauch der Erleichterung wehte ihn an. \u201eSo. Als n\u00e4chstes wird jetzt Ihre Samenfl\u00fcssigkeit untersucht.\u201c \u2013 \u201eJetzt gleich?\u201c \u2013 \u201eNein, das machen Sie in unserem Labor. Aber erst, nachdem Sie mindestens zwei Wochen enthaltsam gewesen sind.\u201c Mit diesen garstigen Worten wurde Anatol aus seiner Obhut entlassen. Drau\u00dfen stoben eisige Flocken durch die D\u00e4mmerung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201aEinen ganzen halben Monat..!\u2018 Und was, wenn ihn aus Versehen einer von diesen herrlichen Knabentr\u00e4umen \u00fcbermannte? Wehm\u00fctig dachte Anatol an die Zeit, bevor er herausgefunden hatte, dass jene Tr\u00e4ume durch ebenso schlichtes wie ergreifendes Handanlegen k\u00fcnstlich zu ersetzen waren. Wie sehr sehnte er sich mitunter nach diesen rauschenden Kindheitserlebnissen zur\u00fcck! Im Prinzip braucht ja vermutlich auch ein Erwachsener blo\u00df abzuwarten, bis jener vielfach verwunschene Arterhaltungsdrang sich automatisch ihre Bahn in die erhoffte Zukunft bricht. Mehrmals bereits hatte Anatol es redlich in Angriff genommen, diese un\u00fcberschaubar lange Durststrecke zu \u00fcberwinden, war bislang jedoch jedes mal kl\u00e4glich gescheitert \u2013 sp\u00e4testens an dem Punkt, als er bef\u00fcrchtete, seiner trotz allem ja nun ziemlich hei\u00df geliebten Libido verlustig zu gehen, die n\u00e4mlich nach einem anf\u00e4nglichen Anstieg immer schw\u00e4cher wurde, anstatt, wie zu erwarten gewesen w\u00e4re, immer m\u00e4chtiger.Um jegliche Anfechtung diesmal bereits im Keim zu ersticken, kl\u00fcgelte Anatol eine Art Schlachtplan aus, der im Wesentlichen darin bestand, jeden Abend gnadenlose K\u00f6rperert\u00fcchtigung im Fitnessclub zu begehen und das allmorgentliche Aufb\u00e4umen jener Wohllust mit einer kalten Dusche gnadenlos in die Knie zu zwingen, deren sinnstiftendes H irgendwann zwischen dem Westf\u00e4lischen Frieden und der Niederlegung der Reichskrone einer unbegreiflichen Amputationen zum Opfer gefallen war. Auf diese Weise sollte es ihm w\u00e4hrend der ersten Woche tats\u00e4chlich gelingen, seine W\u00fcrde zu bewahren. Dagegen entwickelte sich die zweite zu einem entehrenden Spie\u00dfrutenlauf: Die ewig quengelnde Morgenlatte lie\u00df sich mittlerweile nicht einmal durch Eiswasser in die Knie zwingen; und anscheinend hatte das Fitnesstudio, in dem es zwar Frauen &#8211; doch leider keine M\u00e4nnertage gab, allerhand Top-Modell-Agenturen massenhaft Dauerkarten gestiftet, so dass ihn all die halbentbl\u00f6\u00dften schwei\u00dfbenetzten Sirenen mit Sicherheit bald in den Wahnsinn getrieben h\u00e4tten, w\u00e4re er nicht in den winterlichen Park zu den Joggern \u00fcbergelaufen. Schlimm qu\u00e4lte ihn die Erkenntnis, ein wehrloses Opfer geifernder Hormone zu sein. Und erst jetzt offenbarte sich ihm die philosophische Tiefe jenes Romans, den er im Wartezimmer so gro\u00dfkotzig als fantasielos abgetan hatte. Eines Morgens war Anatol auf unerkl\u00e4rliche Weise in ein Frauendampfbad gelangt. Vom Anblick all der schwei\u00dfnassen nackten Leiber, die sich im tropischen Dunst geschmeidig rekelten, wurde ihm schummrig. Mit sp\u00f6ttischem Gesichtsausdruck deutete eine von ihnen auf seinen brunstleidenden Scho\u00df und stimmte dazu ein schier unmenschliches Ger\u00e4usch an. Eine zweite tat es ihr nach, dann eine dritte\u2026 Verst\u00f6rt fummelte Anatol seinen Wecker aus. Es war dies der langersehnte Tag. Sein Z\u00f6libat war beendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Labor befand sich in einem alten Fabrikgeb\u00e4ude, durch dessen Treppenhaus eisige Winde zogen. Der Zweifler stemmte die Eisent\u00fcr auf und schritt etwas beklommen zur Anmeldung, wo eine blutjunge MTA gerade an ihrem Fr\u00fchst\u00fcck nestelte. Unmittelbar daneben sa\u00dfen einige \u00e4ltere Herrschaften beisammen, die den Zustand ihrer K\u00f6rpers\u00e4fte bekakelten, ohne dabei den Neuzugang aus den Augenwinkeln zu lassen. &#8211; \u201eKann ich helfen?\u201c &#8211; \u201eJa\u2026\u201c fl\u00fcsterte Anatol \u201eich soll hier einen\u2026 \u00e4h\u2026 Fertilit\u00e4tstest machen\u201c &#8211; \u201eWie bitte?!\u201c krakeelte das Fr\u00e4ulein (eigentlich hatte sie blo\u00df eine Idee zu laut zur\u00fcck gefl\u00fcstert, aber f\u00fcr Anatol war es ein Krakeelen). Erschrocken sp\u00e4hte er nach dem Kaffeekr\u00e4nzchen, das jetzt schon mit halbem Ohr lauschte, und legte dem begriffsstutzigen Pers\u00f6nchen sein Ansinnen noch einmal ganz sachte dar. &#8211; \u201eAch so!\u201c hallte es durch die Gem\u00e4uer \u201eEinen Spermatest! Ja, ja, das Klo ist gleich rechts hinter der Eisent\u00fcr.\u201c Und schon schickte sie sich an, einen geradezu aufsehenerregenden Batzen Nutella zu verschlingen.\u201eJa und!?\u201c erkundigte sich Anatol gereizt. Das Gequassel der Rentner war unterdessen g\u00e4nzlich verstummt. \u201eSoll ich mir vielleicht in die Hand..?!\u201c Z\u00e4hneknirschend kramte sie nach einem winzigen Reagenzglas, das Anatol zun\u00e4chst eine Weile begutachtete und ihr dann, auf den kleinen Finger gepfropft, fuchtelnd unter die Nase hielt: \u201eIch m\u00f6chte ja nicht angeberisch erscheinen, aber es w\u00e4re ganz \u00fcberaus reizend, wenn wenigstens mein Zeigefinger hineinpassen w\u00fcrde! \u201cWie h\u00e4tte die junge Frau ahnen sollen, dass das mit dem Zeigefinger ironisch gemeint war?..&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als Anatol endlich ein wenigstens daumengro\u00dfes Beh\u00e4ltnis erwirkt hatte, zog er von dannen \u2013 gefolgt von einer greisen Schar aufgerissener M\u00fcnder.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Toilette war es so kalt, dass es nicht einmal stank. Anatol machte sich sofort daran, seinen Hosenstall abzuwetzen, was, wie sich herausstellte, kaum mehr als die Durchblutung seiner Handfl\u00e4che anregte. In Ermangelung jeglicher Fremdunterst\u00fctzung war er zur G\u00e4nze auf seine eigene Fantasie angewiesen, und so fl\u00fcchtete er in die saunaartig geheizte Praxis seines Andrologen, der selbstverst\u00e4ndlich krank war oder im Urlaub oder gar nicht mehr auf der Welt. Jedenfalls mu\u00dfte sein Fall diesmal von der Assistentin alleine bearbeitet werden. Nachdem sie selbst sich wegen der fantastischen Hitze ein wenig freigemacht hatte, pr\u00fcfte sie sogleich die Funktion des sogenannten paarigen Schwellk\u00f6rpers. Doch kaum war dieser zu einem einigerma\u00dfen brauchbaren Fruchtbarkeitssymbol gediehen, als jemand aus der rauen, bitteren Wirklichkeit sehr zielstrebig die T\u00fcrklinke bet\u00e4tigte. Die frischgebackene M\u00e4nner\u00e4rztin l\u00f6ste sich augenblicklich in fatales Unwohlgefallen auf, und vor lauter Scham fing Anatols Herzmuskel an zu stampfen, als h\u00e4tte man ihn beim Ladendiebstahl erwischt. Zur Entspannung hauchte er eine Dampfwolke gegen die Kacheln. Doch gleich darauf r\u00fcttelte der Unsichtbare zum zweiten Mal energisch an der T\u00fcr, wobei unserem Latrinenbesetzer um ein Haar auch noch das gl\u00e4serne Pr\u00fcfbeh\u00e4ltnis entglitten w\u00e4re. Anatols Geduld waram Ende: \u201eWas kann es wohl bitte sch\u00f6n bedeuten, wenn ein Schei\u00dfhaus verschlossen ist,h\u00e4?!\u201c Hastige Schritte entfernten sich. Von nun an lief alles wie geschmiert: Kaum hatte Anatol seine virtuelle Andrologin zur Fortsetzung der Untersuchung animiert, beugte diese pl\u00f6tzlich, von z\u00fcgellosem Ehrgeiz gepackt, ihren Rumpf nach vorne und legte sich nun derart virtuos ins Zeug, dass ihrem Patienten H\u00f6ren und Sehen verging. Sekunden sp\u00e4ter stieg aus dessen Zehen ein chorisches S\u00e4useln empor, verselbst\u00e4ndigte sich, kribbelte flink durch die Schenkel, rieselte in den Orgon, brodelte dort symphonisch auf, st\u00fcrzte sich mit berauschender Schubkraft in die Freiheit, klatschte im hohen Bogen gegen eine Kachel und verwandelte sich allm\u00e4hlich in ein s\u00e4miges, milchiges Eisz\u00e4pfchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Epilog<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Reagenzgl\u00e4schen ging leer aus. Es kam eine Armbewegung zu sp\u00e4t, besser gesagt, der Zweifler kam eine Armbewegung zu fr\u00fch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Kurzgeschichte von Frank Jankowski aus dem Jahr 1991. &#8218;Wie bitte?&#8216; Anatol stutzte: \u201eEs gibt nichts Erotischeres, als die fasanigen <span class=\"more-text\">&hellip;<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,12],"tags":[],"class_list":["post-118","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-kurzgeschichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=118"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}