{"id":1206,"date":"2020-06-20T21:06:12","date_gmt":"2020-06-20T19:06:12","guid":{"rendered":"http:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/?p=1206"},"modified":"2021-01-12T17:12:48","modified_gmt":"2021-01-12T16:12:48","slug":"kubrick-wuerde-sich-im-grabe-raekeln-oder-warum-zum-kuckuck-ist-mir-das-nicht-eingefallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/kubrick-wuerde-sich-im-grabe-raekeln-oder-warum-zum-kuckuck-ist-mir-das-nicht-eingefallen\/","title":{"rendered":"One lucky son of a bitch. Oder: Kubrick w\u00fcrde sich im Grabe r\u00e4keln."},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Passengers&#8220;, ein origineller Science Fiction von 2016 mit einer bet\u00f6renden Jennifer Lawrence und einem etwas zu perfekten Chris Pratt. <\/h3>\n\n\n\n<p>Ob meine Begeisterung f\u00fcr \u201c<em>Passengers<\/em>\u201d auch deshalb so hohe Wellen schl\u00e4gt, weil ich seit L\u00e4ngerem mit einer \u00e4hnlichen Grundidee (lebenslange Reise zu einem erd\u00e4hnlichen Planeten) schwanger gehe, ohne bislang den passenden Rahmen (und Elan) f\u00fcr eine Umsetzung gefunden zu haben? Gut m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz unabh\u00e4ngig davon ist dieser, mir 2016 durch die Kino-Lappen gegangene, SF des bislang nur durch das Alan Turing-Biopic \u201c<em>The Imitation Game<\/em>\u201d auff\u00e4llig gewordenen Norwegers <strong>Morten Tyldum<\/strong> ein poetisch vielschichtiges, erz\u00e4hlerisch fantasievolles, psychologisch sensibles und technisch erstaunliches Meisterst\u00fcck. Obwohl der Drehbuchautor in Hollywood bereits recht gefragt ist, k\u00f6nnte man zur Zeit noch einen Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia \u00fcber ihn platzieren. Sein schwer zu merkender Name: Jon Spaihts. <\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Freude an seinem hier vorliegenden Werk bereitete mir das Inspirationsfeuerwerk. Schon mit Entwicklung der Ouvert\u00fcre \u2013 5000 Menschen, f\u00fcr 120 Jahre in Tiefschlaf versetzt, reisen zu einem erd\u00e4hnlichen Planeten; wegen einer Fehlfunktion wacht einer 90 Jahre zu fr\u00fch auf \u2013 fragt man sich: Was soll, was kann, was wird der (etwas zu gut aussehende und etwas zu besonnene und als Techniker auch etwas zu pr\u00e4destinierte) Protagonist tun? Andere Schlafende wecken? Wen und wie viel und mit welchen \u00dcberlegungen, Absichten? <\/p>\n\n\n\n<p>WAS f\u00fcr ein Potenzial f\u00fcr Fantasie! <\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen wird hier ein mit <strong>Shining<\/strong>-Motiven fein garnierter <strong>Robinson Crusoe<\/strong>-Stoff neu verwoben, der sich zu einem bezaubernden, anr\u00fchrenden <strong>Adam-und-Eva<\/strong>-Mythos entwickelt. Bei beinahe jeder Wendung frage ich mich, wie ich selbst die Geschichte weiterspinnen w\u00fcrde. Dabei ist der Film einfach viel zu spannend, um auf Pause zu dr\u00fccken, sich den eigenen Fantasien hinzugeben. Ein Wermutstropfen: die typisch Hollywood-\u00fcbertriebenen, v\u00f6llig unn\u00f6tigen, ja st\u00f6renden Actionsequenzen, wobei der schwerelose Swimmingpoolinhalt schon was hermacht. <\/p>\n\n\n\n<p>Etwas \u00fcbertrieben erscheint, wie gesagt, die unversch\u00e4mte Attraktivit\u00e4t des Helden mit dem (einem Mechaniker eigentlich doch ganz gut stehenden) Gesicht einer Schaufensterpuppe und dem K\u00f6rper einer griechischen Statue \u2013 eine Augenweide, die dann von der atemberaubenden Sch\u00f6nheit der gro\u00dfartigen Jennifer Lawrence noch um Klassen getoppt wird. Der &#8222;Deus ex Machina&#8220; (Laurence Fishburne mal wieder als Raumschiffskapit\u00e4n), dessen Erweckung ich pers\u00f6nlich etwas plausibler\/sensibler eingef\u00fchrt h\u00e4tte (etwa als Computer-Reflex auf den Bug zweier wacher Passagiere), bringt dann befreiend treffend auf den Punkt, was alle (M\u00e4nner) denken:  <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>All this time I&#8217;m thinking you&#8217;re one lucky son of a bitch to get stuck with Aurora!<br>(Und ich denke die ganze Zeit, was Sie f\u00fcr ein Gl\u00fcckspilz sind, hier mit Aurora festzusitzen!)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kreuzfahrt-Raumschiff oder Dornr\u00f6schen-Frachter?<\/h3>\n\n\n\n<p>Was dem aufmerksamen Rezipienten zumindest bei genauerer Betrachtung auffallen d\u00fcrfte, sind ein paar schwer auszumerzende <strong>Logikbr\u00fcche<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Dreh- und Angelpunkt ist die Frage, wieso die 5000 Passagiere eigentlich bereits VIER Monate vor ihrer Ankunft auf dem Planeten &#8222;Homestead II&#8220;  aus ihrem stoffwechselfreien Dornr\u00f6schen-Winterschlaf (&#8222;Hibernation&#8220;) gerissen werden m\u00fcssen?  <\/p>\n\n\n\n<p>=>  Eigentlich doch wohl nur, um das Vorhandensein dieses ganzen beeindruckenden Future Living-Luxus zu rechtfertigen, mit dem das spektakul\u00e4re Raumschiff ausgestattet ist. Oder? <\/p>\n\n\n\n<p>Es MUSS Menschen geben, die sich in der Pr\u00e4sidentensuite vergn\u00fcgen, im fantastischen Swimmingpool (mit Blick auf den Weltraum) plantschen und sich am reichhaltigen Unterhaltungs- und Nahrungsangebot laben. Aber weshalb? Die rekonvaleszente Aufwachphase dauert, wie wir wissen, lediglich ein paar Stunden, eigentlich sogar blo\u00df Minuten. Abgesehen davon k\u00f6nnte sie ebenso gut NACH der Landung erfolgen. Und f\u00fcr das Landeman\u00f6ver d\u00fcrften ein bis drei Leute mehr als genug sein, eigentlich m\u00fcsste der Computer sogar ganz alleine damit fertig werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Wozu also 258 Crewmitglieder? Und weshalb zieht niemand in Erw\u00e4gung, ein paar (attraktive, junge) davon ebenfalls aufzuwecken? Und: WENN (aus irgendeinem Grund) 5000 wache Menschen VIER Monate lang in diesem Luxus-Kreuzfahrt-Raumschiff zusammen leben werden: wieso gibt es dann blo\u00df <strong>eine EINZIGE OP-Wunderliege<\/strong>? Antwort: damit die beiden nicht auf die Idee kommen, sich wieder aufs Ohr zu hauen! Apropos Winterschlaf: wurden die unz\u00e4hligen anderen lebenden Organismen, wie bspw. die pflanzlichen Keimlinge, ebenfalls von ihrem Stoffwechsel suspendiert?<\/p>\n\n\n\n<p>Last but not least bricht die Schwerkraft, so fulminant dieser Abbruch inszeniert wurde, viel zu pl\u00f6tzlich ab, wie mir mein Bruder (ein Ingenieur) verriet. Es gibt n\u00e4mlich bislang lediglich eine Methode, um Gravitation zu simulieren, und zwar mittels Rotation, wie in Kubricks Raumschiff von 2001. Und eine solche Rotation h\u00f6rt nicht so abrupt auf, sondern klingt sanft aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Fragen, auf die Altgro\u00dfmeister Kubrick Antworten geschaffen h\u00e4tte, um daraus ein gro\u00dfes Meisterwerk zu machen. So bleibt es ein Meisterst\u00fcck mit viel (unterhaltsamem) Raum f\u00fcr Fantasie. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Passengers&#8220;, ein origineller Science Fiction von 2016 mit einer bet\u00f6renden Jennifer Lawrence und einem etwas zu perfekten Chris Pratt. 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