{"id":1242,"date":"2020-08-07T07:14:56","date_gmt":"2020-08-07T05:14:56","guid":{"rendered":"http:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/?p=1242"},"modified":"2020-08-07T07:16:14","modified_gmt":"2020-08-07T05:16:14","slug":"summer-of-love","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/summer-of-love\/","title":{"rendered":"Summer of Love"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">George Martins Beatles-Dokumentation <em>Summer of love<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>MacMillan, London 1994. <br>\u00dcbersetzung von Frank Jankowski, <br>f\u00fcr den Henschel Verlag der Dornier Medienholding.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den hier verwendeten Texten handelt es sich um die Manuskriptversion, da<br>mir die Endfassung in digitaler Form nicht vorliegt. Daher die gelegentlichen Holprigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>V o r w o r t<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00fccher \u00fcber die Beatles lassen sich mittlerweile zu einem derart hohen Berg aufschichten, da\u00df man vielleicht eine Art Gesetz gegen jedes weitere Beatles-Buch erlassen sollte. Die meisten wurden von Leuten geschrieben, die die Geschichte der &#8218;Fab Four&#8216; aufgemotzt und katalogisiert haben, ohne selbst je eine Rolle darin gespielt zu haben. Ich fand all diese Darstellungen fehlerhaft.<br>Mein eigenes Buch ist vielleicht gar nicht so grundlegend anders, denn ich verlasse mich auf den unverl\u00e4\u00dflichsten aller Informanten, auf mein Ged\u00e4chtnis. Jemand sagte unl\u00e4ngst, da\u00df jeder, der behauptet, sich an die 60er Jahre zu erinnern, eigentlich gar nicht dabei gewesen sein kann. Ich wei\u00df genau, was er meint. Unter den schriftlichen Zeitzeugnissen, die ich gesichtet habe, ist ebenfalls eine Menge unverl\u00e4\u00dflich: Wir betrachten das Leben alle durch verschiedenfarbige Brillengl\u00e4ser. Deshalb wird im folgenden eine individuelle Sichtweise vermittelt, die in erster Linie auf meinen pers\u00f6nlichen Erinnerungen beruht.<br>Vor ein paar Jahren war ich mit Paul in den AIR Studios, und als die alten Knacker, die wir geworden waren, schwelgten wir nat\u00fcrlich in Erinnerungen. Pl\u00f6tzlich hatten wir eine Meinungsverschiedenheit \u00fcber eine l\u00e4cherliche Kleinigkeit. Ich sagte, da\u00df George irgend etwas getan hatte. Und Paul sagte &#8222;Nein, das war Ringo.&#8220; Wir waren uns beide vollkommen sicher. Dann mu\u00dften wir lachen. &#8222;Mein Gott!&#8220; rief ich aus, &#8222;wenn wir es schon nicht auf die Reihe kriegen, wer zum Teufel dann?&#8220; Henry Ford hatte recht, als er sagte &#8222;history is bunk&#8220;, Geschichte sei Quatsch. Aber dann ist es so, wie es in dem Song hei\u00dft, &#8222;It really doesn&#8217;t matter if I&#8217;m wrong I&#8217;m right\u2026&#8220;, &#8222;Es ist wirklich egal, ob ich recht habe oder nicht\u2026&#8220;<br>Es gibt eine ganze Menge Menschen, denen ich danken m\u00f6chte. Wenn irgend jemand den unm\u00f6glichen Titel &#8222;F\u00fcnfter Beatle&#8220; verdient hat, dann ist das Neill Aspinall. Ohne jemals im Rampenlicht gestanden zu haben, war er ihnen vom ersten Tag an treu ergeben, indem er ihnen half, sich in ihrem komplizierten Leben zurechtzufinden. Ich danke Dir, da\u00df Du mir geholfen hast, nicht unterzugehen in dem Meer von Juristen auf beiden Seiten des Atlantiks, als ich 1993 The Making of Sgt. Pepper f\u00fcr das Fernsehen produzierte.<br>Dieser Film war der Ausgangspunkt f\u00fcr Summer of Love. Ich f\u00fchle mich Rupert Perry von EMI Records zu Dank verpflichtet, weil er das Potential einer Fernsehsendung erkannte, die den Zuschauer durch den kreativen Herstellungsproze\u00df eines besonderen Beatles-Albums f\u00fchrt. Dank geb\u00fchrt auch meinem Co-Produzenten, Nick de Grunwald, f\u00fcr seine Geduld und Beharrlichkeit, und daf\u00fcr, da\u00df er unseren Regisseur, Alan Benson engagierte, dessen begabtes Auge The Making of Sgt. Pepper zu einem Film gestaltete, der in vielen L\u00e4ndern Auszeichnungen gewann. Melvyn Bragg leistete uns Beistand, wann immer wir ihn brauchten und verschaffte uns einen englischen Fernsehauftritt in seiner hervorragenden South Bank Show. Ohne den Weitblick von Etienne de Villiers, dem TV-Pr\u00e4sidenten von Buena Vista International, w\u00e4re unser Film nicht zustande gekommen. Etienne gab dem Projekt nicht nur seinen Segen, sondern \u00fcberredete auch noch die Disney Corporation, es zu unterst\u00fctzen.<br>Da ich in der eigenwilligen Welt der Literatur ein \u00fcberzeugter Do-it-yourself-Mensch bin, brachte ich Summer of Love mit mehreren Unterbrechungen zur Welt. Und ich schulde Charles Armitage insofern meinen Dank, als er mich taktvoll darauf hinwies, da\u00df es grunds\u00e4tzlich besser sei, wenn das Buch eine angemessene Weile vor meiner Todesanzeige erscheint. Vielen Dank an William Pearson, der meinem Ged\u00e4chtnis mit sondierenden Fragen clever auf die Spr\u00fcnge half, und so lange an meiner Seite schuftete, bis die ganze Arbeit getan war. Au\u00dferdem bin ich unserer Verlegerin, Georgina Morley, f\u00fcr ihre Hilfe und F\u00fchrung sehr verbunden.<br>Meine Freunde Ken Townsend und Alan Rouse bei Abbey Road, meinem alten Stammplatz, waren ausgesprochen gro\u00dfz\u00fcgig mit ihrer Hilfe und opferten viel von ihrer Zeit, wor\u00fcber ich mich sehr gefreut habe. Von unsch\u00e4tzbarem Wert war Mark Lewisohns M\u00fche, meine Erinnerung vor Umwegen und Abwegen zu bewahren. Bedanken mu\u00df ich mich auch bei Ann Denvir und Tommy Hanley von Apple f\u00fcr ihr Bildmaterial, und sowohl William als auch ich m\u00e4chten Andy Davies und Richard Free f\u00fcr ihre Hilfe danken, die Beatles-Memorabilien auszugraben.<br>In heimatlicheren Gefilden hat mir meine gute Freundin und Assistentin Shirley Burns, die so manches \u00fcber sich ergehen lassen mu\u00dfte, mit schmeichelhaften Worten immer wieder Mut zugesprochen. Und ich s\u00e4\u00dfe wahrhaftig tief in der Patsche, h\u00e4tte mir meine geliebte Frau Judy nicht geholfen, all die Ups and Downs, die guten und die schlechten Tage mit mir zusammen in Wort und Tat zu rekapitulieren, und h\u00e4tte sie mich nicht immer wieder zum Lachen gebracht, als es mir schlecht ging.<br>Und schlie\u00dflich gilt mein Dank und meine tiefe Zuneigung vier faszinierenden, unm\u00f6glichen, enorm talentierten und verehrungsw\u00fcrdigen jungen M\u00e4nnern, die vor rund drei\u00dfig Jahren unser aller Leben ver\u00e4nderten.<br>Dies ist ihre Story.<\/p>\n\n\n\n<p>p r o l o g<\/p>\n\n\n\n<p>Es war der Sommer der Liebe.<br>B-52-Bomber der US Air Force warfen t\u00e4glich 800 Tonnen Sprengladung \u00fcber Nordvietnam ab; Mao Tse-tungs Rote Armee hielt ganz China im W\u00fcrgegriff; und die Ibos in Biafra verhungerten, wenn sie nicht vorher schon einem Massaker zum Opfer gefallen waren.<br>Doch da wo ich sa\u00df, in EMIs Abbey Road Studios in West-London, gaben sich Tausende von Menschen dem Frieden und der Liebe hin. Sie stiegen aus, lie\u00dfen ihr Haar langwachsen, bemalten ihre K\u00e4rper und erfanden den Sex. Sie diskutierten \u00fcber Revolution und ihr seelisches Gleichgewicht. &#8218;Flowers&#8216; gaben ihnen &#8218;Power&#8216;. Sie hatten Pot und Acid, Optimismus und Enthusiasmus. Sie hatten &#8218;Happenings&#8216;, &#8218;Be-Ins&#8216; und &#8218;Love-Ins&#8216;. Sie hatten Idealismus, Energie, Geld und Jugend. Und sie hatten noch etwas anderes. Sie hatten Musik.<br>Die good Vibrations stellten sich ein &#8211; durch Hendrix und die Who, durch Jagger und durch Joplin, durch Dylan und die Beach Boys und die Doors und Tamla Motown. In Hausfluren und Schlafzimmern, Friedens-Camps und Parks, in Baracken und Hochh\u00e4usern und in Wohnungen auf der ganzen Welt: Von Rio bis Rimini, von Dallas bis Djibouti schalteten sie zu Millionen ihre Anlagen ein und sangen mit.<br>Am 1. Juni 1967 h\u00f6rten sie das Trompetensignal, den Lieblingssound einer ganzen Generation.<br>Es war ein bahnbrechendes Album der Beatles. Es war die Hippy-Symphonie No.1 und hie\u00df Sgt. Pepper&#8217;s Lonely Hearts Club Band.<br>Und es war nach wie vor der Sommer der Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Sgt. Pepper&#8217;s Lonely Hearts Club Band war eine musikalische Splittergranate, deren Sprengkraft noch heute zu sp\u00fcren ist. Sie packte die Welt der Popmusik beim Kragen, sch\u00fcttelte sie heftig durch und lie\u00df sie benommen aber schwanzwedelnd auf Wanderschaft gehen. Ebenso, wie sie die Bedeutung der Popmusik ver\u00e4nderte, ver\u00e4nderte sie auch das gesamte Wesen des Plattengesch\u00e4fts &#8211; und zwar f\u00fcr immer. Niemals hatte man etwas geh\u00f6rt, was auch nur die entfernteste \u00c4hnlichkeit mit Sgt. Pepper gehabt h\u00e4tte. Das Album erschien zu einer Zeit, als die Menschen nach etwas Neuem d\u00fcrsteten, und doch verbl\u00fcffte sie gerade das Neue daran. Ich selbst hatte bestimmt am wenigsten damit gerechnet!<br>Sgt. Pepper trieb einen m\u00e4chtigen Keil in das Herz der britischen Popmusik; viele betrachten das Album heute als die Wasserscheide. Indem sie sich selbst (und mich) sechs Monate lang im Studio einschlossen und ihr eigenes Ding machten, stellten die Beatles all das in Frage, was die anderen in diesem Gesch\u00e4ft taten. Die Frage lautete: Machst du Musik oder einfach blo\u00df Geld? Bl\u00e4st du ein musikalisches Kaugummi auf, oder spielst du Rock mit einem harten Kern? Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Beatles wohl eher Kaugummi-K\u00fcnstler gewesen. Mit Sgt. Pepper markierten sie eine Grenze und \u00fcberschritten sie gleichsam.<br>Die Beatles selbst haben nie behauptet, da\u00df Sgt. Pepper wahre Kunst sei, und sie haben auch nie irgendeine Form von musikalischer &#8218;Integrit\u00e4t&#8216; angestrebt. Sie wollten einfach nur etwas anderes machen, und Sgt. Pepper war etwas anderes. Heutzutage, wo die Rockmusik in ihrer neuen Gestalt kommerziell ausgeschlachtet wird, sind die Unterschiede zwischen den zwei Formen der Musik verschwommen. Aber es gibt sie noch, und Sgt. Pepper legte den Grundstein daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Sgt. Pepper hielten die Beatles der Welt einen Spiegel vor. Und in diesem Spiegel sah die Welt ein brillantes Abbild seines kaleidoskopischen Selbst von 1967. Sie sah nicht das torkelnde und oftmals absurde Herumgeflippe der Hippy-Bewegung, sondern deren perfektes Image &#8211; ein formvollendetes Ideal. Nicht die elende Gosse der Drogenabh\u00e4ngigkeit, sondern die verbl\u00fcffende M\u00f6glichkeit kreativer Realit\u00e4tsentstellung.<br>Wie dem auch sei, dies war eine 40-Minuten-Vision, bei der man sich einklinken und Fun haben konnte. Pepperland war ein Ort, wo Freunde einem halfen, klarzukommen, Verkehrspolizisten zum Tee kamen, L\u00f6cher gestopft werden konnten, und Mister Kite allen eine herrliche Zeit versprach. In diesem Schlaraffenland war alles viel besser.<br>Dieses kuriose und wundervolle Album war mehr als ein Tusch f\u00fcr die Love-and-Peace-Bewegung &#8211; viel mehr sogar. Es beinhaltete alles m\u00f6gliche, aber mit Sicherheit kein Kaugummi. &#8222;You might not notice that the lights had changed.&#8220; Es war ein so \u00fcberaus eigent\u00fcmliches Album: Einige Songs schienen &#8211; nun ja, tiefsch\u00fcrfend zu sein. Ein ganzer Batzen der Texte war g\u00e4nzlich unergr\u00fcndlich. Die Leute verbrachten Stunden, ja Tage damit, sie zu entschl\u00fcsseln. Journalisten wurde viel Geld gezahlt, damit sie dar\u00fcber schrieben. Die Beatles schienen etwas auszusagen, eine Botschaft zu verk\u00fcnden, die niemals ganz klar war, egal wie oft wir zuh\u00f6rten &#8211; und wie wir alle zuh\u00f6rten!<br>&#8222;Within You Without You&#8220; &#8211; Was um alles in der Welt hatte das zu bedeuten? War es \u00fcberhaupt von dieser Welt? War es nicht das Mantra einer anderen Welt, au\u00dferhalb menschlicher Zeit und menschlichen Raums, \u00e4therische Traumphilosophie? Es kapselte die uralte Weisheit des Ostens und der vedischen Mysterien ein. Es war da drau\u00dfen und stemmte sich gegen die Grenzen des Karmas. Das war wahrhaftig &#8218;abgefahren&#8216;. Es war wundervoll. Die Beatles schrieben nun keine spekulativen Songs mehr, um die Menschen aufzumuntern &#8211; davon hatten sie sich Lichtjahre entfernt. Sie waren Mystiker geworden!<br>Sgt. Pepper hatte allerdings noch mehr Tr\u00fcmpfe in seinem schrillbunten \u00c4rmel. Es war ein besonderer Ort, eine Traumwelt, in der wir alle unversehens \u00fcber unsere perfekte Liebe stolpern konnten, dort, am Drehkreuz, und wo man mit einem &#8218;Newspaper Taxi&#8216; nach Nirwana gezaubert wurde. Es war eine Eskapisten-Phantasie. Genau das.<br>Aber Momentchen mal. Kaleidoscope eyes, &#8218;Kaleidoskop-Augen&#8216;, Tangerine trees, &#8218;Pampelmusenb\u00e4ume&#8216;? Rocking horse people eating marshmallow pies, &#8218;Schaukelpferdmenschen, die Marshmallow-Strudel essen&#8216;? He blew his mind out in a car, &#8218;Er hauchte in einem Auto seine Seele aus&#8216;? Wir reden psychedelisch. Funny cigarettes, &#8218;Witzige Zigaretten&#8216;? &#8218;Lysergs\u00e4uredi\u00e4ethylamid&#8216;? Luden uns die Beatles ein, die Kiffer-Revolution mitzumachen, unser beschr\u00e4nktes Bewu\u00dftsein zu erweitern und uns wie der b\u00e4se Doktor Leary zu verhalten? Gott bewahre!<br>Bewu\u00dftseinserweiterung. Das war eine heikle Angelegenheit. Die Menschen k\u00f6nnten anfangen, Fragen zu stellen. Wir k\u00f6nnten subversive Reden schwingen. Die Beatles waren in der Tat politische Revolution\u00e4re; sie mi\u00dfbrauchten ihre Macht, jene furchteinfl\u00f6\u00dfende Macht, die ihnen durch die Lobhudelei der Massen verliehen worden war. Sie unterminierten den Staat mit ihrem verderblichen Pepper-Beispiel, und zwar auf die \u00fcbelste aller Macharten &#8211; durch die Musik!<br>Aber wurde dieses Album hier nicht viel zu ernst genommen? War es nicht viel eher eine Ironie; nichts weiter, als da\u00df die begabteste Popgruppe der Geschichte ihr bestes Pferd aus dem Stall lie\u00df? Und war es dann nicht blo\u00df ein harmloser, teilweise vielleicht auch satirischer Schnappschu\u00df von einer verworrenen, verr\u00fcckten Welt? Ja, wom\u00f6glich war es das. Aber andererseits\u2026<br>Mit einem Wort, Sgt. Pepper war alles f\u00fcr alle. Die Welt blickte hinein und sah, was sie sehen wollte. Wie jede wahrhaft gute Popmusik reflektierte sie auf eine irgendwie unsystematische Weise ihr Leben und ihre Zeit. Dennoch dachten viele, es handele sich um ein sehr zielgerichtetes Statement. Es gab ebensoviele &#8218;Interpretationen&#8216; ihrer &#8218;Botschaft&#8216; wie Menschen, die bereit waren, sie sich anzuh\u00f6ren &#8211; und \u00fcber das Plattencover zu sinnieren. Die BBC traf immerhin eine schnelle Entscheidung: Sie \u00e4chtete den Song &#8222;A Day In The Life&#8220; noch im selben Moment als das Album herauskam &#8211; mit der Begr\u00fcndung, da\u00df es &#8222;als Aufforderung zum Drogenkonsum aufgefa\u00dft werden k\u00f6nne&#8220;. Das enorme Brimborium, das um das Erscheinen dieser Platte veranstaltet wurde, ist ein Indikator f\u00fcr die schier unglaubliche Meinungsvielfalt und das erstaunlich vielk\u00f6pfige Aufbl\u00fchen des Talents der Beatles, das durch Sgt. Pepper zum Ausdruck kam.<br>Was hatte dieses Album aber nun schlie\u00dflich zu bedeuten? Niemand wu\u00dfte es bestimmt. Niemand konnte es sagen. Und dies war eine seiner gr\u00f6\u00dften St\u00e4rken &#8211; seine fast vollst\u00e4ndige Obskurit\u00e4t. Man war davon \u00fcberzeugt, da\u00df es irgendeinen tieferen Sinn barg. Da gab es zun\u00e4chst einmal dieses Plattencover. Weshalb waren all die Kultur-Ikonen darauf abgebildet, wenn sie nicht irgend etwas bedeuteten? Warum waren s\u00e4mtliche Texte abgedruckt &#8211; zum allerersten Mal auf einem Cover -, wenn die Beatles keine Botschaft daran kn\u00fcpften? Und dann war da diese unendliche Vieldeutigkeit der W\u00f6rter. Man konnte sie tagelang durchkauen, immer und immer wieder, aber man war hinterher kein bi\u00dfchen weiser.<br>Wie seine Sch\u00f6pfer war Sgt. Pepper in seiner Gesamtheit gr\u00f6\u00dfer als in der Summe seiner einzelnen Bestandteile. Jeder konnte sich seinen individuellen Reim auf die Songs machen. In einigen F\u00e4llen waren sie ziemlich direkt. Doch in ihrer Gesamtheit f\u00fcgten sie sich zu etwas Kostbarem und Sonderbarem zusammen &#8211; etwas, das Dekonstruktion heraufbeschwor.<\/p>\n\n\n\n<p>Sgt. Pepper&#8217;s Lonely Hearts Club Band dr\u00fcckte auf perfekte Art und Weise ein Gef\u00fchl aus, das damals gerade sehr nachhaltig in der Luft schwebte: Da\u00df alles und jedes f\u00fcr jedermann zu haben war. F\u00fcr ein paar kurze Jahre wurde die Welt wieder in ihre Jugend zur\u00fcckversetzt. Das Leben war ein Abenteuerspielplatz, auf dem man nach Herzenslust herumtollen konnte. Gut gepolstert durch ein Klima des Aufschwungs und der ann\u00e4hernden Vollbesch\u00e4ftigung, hatten die jungen Leute den Raum, die Zeit und das n\u00f6tige Einkommen, um sich dem endlosen Experiment der Selbstfindung hinzugeben. Wenn man es nicht auf geraden Bahnen schaffte (aber wer wollte das schon?), dann schaffte man es in der &#8218;Gegen-Kultur&#8216; und tankte mit Drogen, Sex, \u00f6stlicher Philosophie und Rockmusik auf. Waren die Beatles nicht ein lebender Beweis daf\u00fcr, und war Sgt. Pepper nicht das Flaggschiff dieses Beweises? Sie hatten durch ihre Musik gezeigt, da\u00df man, wenn man Lust dazu hatte, sich selbst unendlich oft und ganz nach Belieben neu erfinden konnte. Also\u2026 h\u00e4tten wir das nicht alle tun k\u00f6nnen, wenn wir uns selbst gen\u00fcgend Raum und Zeit gaben, unsere K\u00f6pfe befreiten und vielleicht die R\u00e4der ein bi\u00dfchen mit Pot schmierten? Nun ja, konnten wir das? Sgt. Pepper w\u00fcrde uns die Antworten darauf geben\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter geht&#8217;s <a href=\"https:\/\/www.frankjankowski.de\/autor\/transla\/beatles\/beatle.htm\">hier&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>George Martins Beatles-Dokumentation Summer of love MacMillan, London 1994. \u00dcbersetzung von Frank Jankowski, f\u00fcr den Henschel Verlag der Dornier Medienholding. <span class=\"more-text\">&hellip;<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1240,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[190,191],"class_list":["post-1242","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uebersetzung","tag-beatles","tag-george-martin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1242"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1242\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1244,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1242\/revisions\/1244"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1242"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1242"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}