{"id":1699,"date":"2023-09-23T15:34:43","date_gmt":"2023-09-23T13:34:43","guid":{"rendered":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/?p=1699"},"modified":"2023-09-23T15:35:38","modified_gmt":"2023-09-23T13:35:38","slug":"menschenpenisse-und-theatralische-masturbierer-deutsche-film-markenzeichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/menschenpenisse-und-theatralische-masturbierer-deutsche-film-markenzeichen\/","title":{"rendered":"Menschenpenisse und theatralische Masturbierer (Deutsche Film-Markenzeichen?)"},"content":{"rendered":"\n<p>Mi., 26.4.23 &#8212; \u201cRoter Himmel\u201d, gestern im gediegenen Delphi. Christian Petzold. Petzold? Musste nochmal kurz nachschauen; ach ja, seine \u201cYella\u201d war mir in Erinnerung, und seine \u201cBarbara\u201d (stark!). Roter Himmel: Gediegen-bewegender Vorspann, bet\u00f6rende Musik: \u201eIn My Mind\u201c der \u00f6sterreichischen Band &#8222;Wallners&#8220; (Petzold, so Petzold, liebe Musik, deshalb lasse er sie weg). Durchaus fesselnder Plot mit \u00fcberraschenden Wendungen und organischen Dialogen. Die allerdings teilweise seltsam k\u00fcnstlich, theatralisch, rezitativ gesprochen werden; am deutlichsten f\u00e4llt das auf, wann immer (der rund gediehene) Thomas Schubert \u201cNein\u201d antwortet. So spricht kein normaler Mensch in einer solchen Situation. Mag daran liegen, dass deutsche Filmschauspieler (in Ermangelung einer Filmschauspieler-Schule) von der B\u00fchne runter engagiert werden und dann einfach nicht vergessen k\u00f6nnen, dass man sie in der 34. Reihe nicht verstehen muss. Petzolds Absicht? Der Ruhrpottler ist filmisch f\u00fcr Minimalismus und Pr\u00e4zision bekannt, stofflich f\u00fcr soziale Realit\u00e4t. Ist es das? Sollen diese pr\u00e4zise abgesetzten Dialoge, diese hochsprachlichen &#8222;Neins&#8220; sein Markenzeichen unterstreichen?&#8230; Auch wei\u00df ich nicht, ob die Nervosit\u00e4t gewollt ist, mit der Bademeister Devid (Enno Trebs) seinen (viel zu langen und in sich unstimmigen) Witz erz\u00e4hlt (warum sollte der Teppichverk\u00e4ufer DREImal zur\u00fcckkommen, anstatt den Fu\u00df in der T\u00fcr zu lassen?) Typisch Deutsch? Diesmal wenigstens keine Onanierer und keine Menschenpenisse im Bild \u2013 ach so, doch, einmal kurz im Halbdunkel, na gut, muss wohl sein, vielleicht schreibt die Filmf\u00f6rderungsanstalt das vor. Auch die Dramaturgie der Freundschaft zwischen Leon und Felix ist nur schwer nachzuvollziehen: W\u00fcrde DIESER Felix die schlechte Laune des Kopfarbeiters nicht viel fr\u00fcher konterkarieren? Allzu arger Bruch der Plausibilit\u00e4t: Dass ein Verleger sich die M\u00fche macht, zu einem jungen Autor ans Meer zu fahren, ihm seinen Mist vorzulesen. Das ist kompletter \u201cBullshit\u201d, um in der Sprache der (meines Erachtens viel zu glatten, perfekten) Primadonna zu bleiben. Ich dachte, hoffte, der Verleger sei eigentlich (auch) der Vater. Egal, verziehen. Am Schluss ein weiterer Lapsus: Der Krankenpfleger sagt viel zu fr\u00fch \u201cNa dann woll\u2019n wa mal!\u201d Es war vorhersehbar, dass er das sagt, und wenn er es dann schon wirklich sagen muss (um \u2013 \u00fcberfl\u00fcssigerweise? \u2013 im Nachhinein die Menschenweisheit des Verlegers zu belegen?), dann doch bitte im richtigen Moment, n\u00e4mlich NACHDEM er die Fenster (also den Film) geschlossen hat \u2013 als Schlusswort. Das Beste: Der geistreich-feine Sinn f\u00fcr Humor, der mich mehrmals zum Lachen brachte, am herzlichsten, als die Eisverk\u00e4uferin sich als Literaturdoktorandin erweist. K\u00f6stlich. Auch, oder gerade mit dieser Zur\u00fcckgenommenheit des Protagonisten, der die verdammt schwierige Aufgabe hat, alles ausschlie\u00dflich mit Blicken zu sagen \u2013 und dieser Aufgabe erstaunlich oft gerecht wird\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mi., 26.4.23 &#8212; \u201cRoter Himmel\u201d, gestern im gediegenen Delphi. Christian Petzold. Petzold? 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