{"id":1726,"date":"2021-10-14T07:51:39","date_gmt":"2021-10-14T05:51:39","guid":{"rendered":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/?p=1726"},"modified":"2024-04-10T07:53:07","modified_gmt":"2024-04-10T05:53:07","slug":"der-bruder-des-selbstmoerders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/der-bruder-des-selbstmoerders\/","title":{"rendered":"Der Bruder des Selbstm\u00f6rders"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwei Filme, ein alter von Ulu Grosbard und ein neuer von Ridley Scott<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Do., 14.10.21<\/strong> Vorgestern Abend zur Abwechslung mal wieder einen beeindruckenden, mir bislang g\u00e4nzlich unbekannten, auf wahren Ereignissen beruhenden Film entdeckt: \u201cTief wie der Ozean \/ \u201d (1998), mit einer wie immer bezaubernden Michelle Pfeiffer neben dem mir seit jeher unsympathischen Treat Williams, wobei ich nicht einmal sagen kann, ob die Abneigung auf seinen Rollen beruht (in Hair spielt er diesen scham- und distanzlosen Affen-Hippie Burger und im \u201cLeben nach dem Tod in Denver\u201d diesen, seinen eigenen Kot fressenden, Psychopathen Critical Bill), oder ob mir seine Visage einfach nicht gef\u00e4llt. Der 1928 in Antwerpen geborene und dann 1942 \u00fcber Kuba nach USA geflohene Jude Ulu Grosbard hatte 84 \u201cFalling in Love\u201d gedreht. Auch hier geht es um eine Familie &#8212; die daran zerbricht, dass ihr 3-j\u00e4hriges Kind verschwindet. Zehn Jahre sp\u00e4ter taucht es wieder auf. Eine Psychopathin hatte das Kind entf\u00fchrt, als ihr eigenes ausgegeben, geheiratet und sich bald danach umgebracht. Was mich besonders ber\u00fchrt, ist die Rolle des Adoptivvaters (John Kapelos), der nicht wusste, dass das Kind entf\u00fchrt worden war und gro\u00dfartig unter der Trennung leidet. &#8212; <\/p>\n\n\n\n<p>Durstig nach weiterer Unterhaltung beschloss ich, ins Kino zu gehen, entdeckte zwei gute Chancen auf Erfolg: S\u00f6nke Wortmanns \u201cContra\u201d und Ridley Scotts \u201cThe Last Duel\u201d, deckte mich mit Brotgarten-Obstplundern, Salzstangen und Philadelphia ein, l\u00f6ste eine Karte f\u00fcr den neuen James Bond, der mir helfen sollte, die 90 Minuten bis zum Beginn der ersten Hoffnung zu \u00fcberwinden. Jedoch lie\u00df mich die sinn- und handlungsfreie Ballerei (in Saal 1) buchst\u00e4blich einschlafen. Wer hatte nochmal behauptet, geschworen, es gebe diesmal eine tolle Handlung? Von wegen. Falls doch, wurde sie bis zur besagten Minute 90 nicht einmal angerissen. &#8212; <\/p>\n\n\n\n<p>Umso entspannter schlich ich mich hinaus zu Wortmanns neuestem Werk ins gro\u00dfe Kino 3, was ich allein deshalb erw\u00e4hne, da der gute (dritte) Film im kleinsten Raum lief: Studio B, das beinahe ausverkauft war. Diese Zoopalast-Banausen! &#8212; <\/p>\n\n\n\n<p>Nochmal klar machen, was f\u00fcr ein unglaubliches Oeuvre Ridley Scott bislang &#8222;regierte\u201d:\u00a0 Alien (1979), Blade Runner (1982), Thelma &amp; Louise (1991), 1492 (1992), Gladiator (2000), American Gangster (2007), Der Marsianer (2015). Dieses Jahr beschert uns der mittlerweile 84-j\u00e4hrige Bruder des Selbstm\u00f6rders neben dem (bald anlaufenden) \u201cHouse of Gucci\u201d ein weiteres Meisterwerk, dessen Drehbuch niemand Geringere als Matt Damon und Ben Affleck erarbeiteten (sowie als Dritte im Bunde die universell erfahrene Hollywood-Insiderin Nicole Holofcener): &#8222;The Last Duel&#8220; ist ein auf wahren Begebenheiten beruhendes vielschichtiges mittelalterliches Historiendrama mit einem absto\u00dfend eindringlichen Damon als dr\u00f6ger Ritter, der ihm eine Oscar-Nominierung einbringen m\u00fcsste: Mitten im Hundertj\u00e4hrigen Krieg bezichtigt die \u00fcberaus sch\u00f6ne und smarte Marguerite, Frau des &#8222;unlustigen&#8220; Jean de Carrouges, dessen Freund Jacques Le Gris, sie vergewaltigt zu haben, was dieser bestreitet. Obwohl solche Duelle zu jener Zeit (1386) bereits verp\u00f6nt sind, soll der Streit als ein solches vor dem K\u00f6nigspaar ausgetragen werden, um so Gott die diffizile Entscheidung zu \u00fcberlassen. Der hochheikle Haken: Falls der Kl\u00e4ger verliert, also stirbt, wird die edle Dame wegen Verleumdung eines Junkers auf dem Scheiterhaufen verbrannt \u2013 und damit zugleich ihr Neugeborenes zum Waisen. Eine weitere von bestechend vielen brisanten sozialgeschichtlichen Facetten: Frauenheld Le Gris (trefflich von Shooting Star Adam Driver verk\u00f6rpert) ist allem Anschein nach der Vater des (lang ersehnten) Kindes, was nach dem damaligen \u201cStand der Wissenschaft\u201d aber nur m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, sofern die Empf\u00e4ngnis der Edeldame mit Vergn\u00fcgen verbunden war. &#8212; Psychologisch und auch sprachlich \u00fcberzeugend wird dieselbe Geschichte aus drei Perspektiven aufbereitet, wobei sich die Dramaturgie zunehmend verdichtet und im alles entscheidenden H\u00f6hepunkt endet.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die gute Nachricht zu Wortmanns deutscher Coverversion von My Fair Lady: Zum einen wesentlich kurzweiliger und sprachlich intelligenter als der neue James Bond, der albernerweise keine Zeit zum Sterben hat. Zum anderen f\u00fcllt Christoph Maria Herbst seine Rolle (des Professors Higgins quasi) viel interessanter aus als Daniel Craig seine Rolle der alternden Actionhelden-Ikone (-Diva?), die ihm aber auch nur wenig Entfaltungsspielraum bietet\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Filme, ein alter von Ulu Grosbard und ein neuer von Ridley Scott Do., 14.10.21 Vorgestern Abend zur Abwechslung mal <span class=\"more-text\">&hellip;<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[252,249,250,244,251,241,248,246,247,242,245,243],"class_list":["post-1726","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-film-tagebuch","tag-adam-driver","tag-christoph-maria-herbst","tag-daniel-craig","tag-james-bond","tag-matt-damon","tag-michelle-pfeiffer","tag-my-fair-lady","tag-ridley-scott","tag-soenke-wortmann","tag-the-deep-end-of-the-ocean","tag-the-last-duel","tag-ulu-grosbard"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1726"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1726\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1727,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1726\/revisions\/1727"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}