{"id":1739,"date":"2025-09-07T12:39:38","date_gmt":"2025-09-07T10:39:38","guid":{"rendered":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/?p=1739"},"modified":"2026-02-10T20:12:40","modified_gmt":"2026-02-10T19:12:40","slug":"anstelle-eines-vorworts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/anstelle-eines-vorworts\/","title":{"rendered":"Lyrik-Anthologie \/Anstelle eines Vorworts: Villon"},"content":{"rendered":"\n<p>Francois Villon (1431 &#8211; ca. 1464)<\/p>\n\n\n\n<p>Eine kleine Ballade von dem M\u00e4uslein, das in Villons Zelle Junge bekam<br>[Nachdichtung von Paul Zech]<\/p>\n\n\n\n<p><br>Es schwamm der Mond in mein Gemach hinein,<br>weil er da drau\u00dfen so allein<br>bei den entlaubten B\u00e4umen stand.<br>Ich habe ihm ein Kissen hinger\u00fcckt,<br>damit er ruhen konnte, und er tat&#8217;s begl\u00fcckt<br>sich untern Kopf. Ich legte ihm die Hand<br>schnell auf die Augen, und da schlief er auch.<br>Mich aber plagte schlechte Luft im Bauch.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie plagte mich, bis eine Uhr schon zw\u00f6lfe schlug.<br>Da hatte ich verdammt genug<br>und lie\u00df sie ab, die Luft. Davon ist zwar<br>der Mond nicht aufgewacht, doch in dem Fenstereck<br>die M\u00e4usefrau. Sie hat im ersten Schreck<br>geboren, was noch gar nicht f\u00e4llig war.<br>Die kleinen rosa Schnauzen piepsten da so nett,<br>da\u00df ich sie zu mir nahm ins warme Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Gott, die l\u00fctten Dinger, noch ganz nackt<br>und blind: Wie hat das Elend mich gepackt!<br>Ich glaub&#8216;, da\u00df mir was Nasses in die Augen kam.<br>Dabei hat manches M\u00e4dchen schon von mir<br>ein Kind gekriegt und starb vor Scham.<br>Die armen W\u00fcrmer aber kuschten sich<br>in meine Hand, als w\u00e4re ich ihr Vater M\u00e4userich.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt war auch die M\u00e4usefrau so zahm<br>geworden, da\u00df sie schw\u00e4nzelnd zu mir kam.<br>Die schwarzen Augen gl\u00e4nzten froh und gro\u00df<br>in mein Gesicht hinein.<br>Und pl\u00f6tzlich war ich auch so m\u00e4useklein<br>wie dieses Tier und nahm es in den Scho\u00df.<br>Ich habe wohl die ganze Nacht mit ihr verbracht<br>und an kein and&#8217;res Weib dabei gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachgedanken:<\/p>\n\n\n\n<p>Im milden Licht der Winternacht<br>hab ich mich zu den M\u00e4usen aufgemacht.<br>Du aber fragst, warum denn nur?<br>H\u00f6r zu, es ist kein Tier so klein,<br>das nicht von dir ein Bruder k\u00f6nnte sein.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><br>Eine kleine Liebesballade, gedichtet f\u00fcr Jeanne C. de Qu\u00e9e<br>[Nachdichtung von Paul Zech]<\/p>\n\n\n\n<p><br>Im Sommer war das Gras so tief,<br>da\u00df jeder Wind daran vor\u00fcberlief.<br>Ich habe da dein Blut gesp\u00fcrt<br>und wie es hei\u00df zu mir her\u00fcberrann.<br>Du hast nur meine Stirn ber\u00fchrt,<br>da schmolz er auch schon hin, der harte Mann,<br>weil&#8217;s solche Liebe nicht tagt\u00e4glich gibt&#8230;<br>Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Feld den ganzen Sommer war<br>der Mond so rot nicht wie dein Haar.<br>Jetzt wird es abgem\u00e4ht, das Gras,<br>die bunten Blumen welken auch dahin.<br>Und wenn der rote Mond so bla\u00df<br>geworden ist, dann hat es keinen Sinn,<br>da\u00df es noch wei\u00dfe Wolken gibt&#8230;<br>Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Du sagst, da\u00df es bald Kinder gibt,<br>wenn man sich in dein rotes Haar verliebt,<br>so rot wie Mohn, so wei\u00df wie Schnee.<br>Im Herbst, mein Lieb, da kehren viele Kinder ein,<br>warum soll&#8217;s auch bei uns nicht sein?<br>Du bleibst im Winter auch mein rotes Reh<br>und wenn es hundert sch\u00f6nere gibt&#8230;<br>Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Francois Villon (1431 &#8211; ca. 1464) Eine kleine Ballade von dem M\u00e4uslein, das in Villons Zelle Junge bekam[Nachdichtung von Paul <span class=\"more-text\">&hellip;<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1807,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,253],"tags":[254,256,255,259],"class_list":["post-1739","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-lyrik-anthologie","tag-francois-villon","tag-kinski","tag-lyric","tag-maeuslein-bekam-in-villons-zelle-junge"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1739"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1739\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1746,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1739\/revisions\/1746"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1807"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}