{"id":1744,"date":"2025-09-07T12:49:57","date_gmt":"2025-09-07T10:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/?p=1744"},"modified":"2025-09-07T13:01:21","modified_gmt":"2025-09-07T11:01:21","slug":"lyric-antologie-lessing-goethe-schiller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/lyric-antologie-lessing-goethe-schiller\/","title":{"rendered":"Lyric-Antologie \/Lessing \/Goethe \/Schiller"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\">Gotthold Ephraim Lessing (1729 -1781)<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00fcber uns<\/p>\n\n\n\n<p>Hans Steffen stieg bei D\u00e4mmerung (und kaum<br>Konnt er vor N\u00e4schigkeit die D\u00e4mmerung erwarten)<br>In seines Edelmannes Garten<br>Und pl\u00fcnderte den besten \u00c4pfelbaum.<\/p>\n\n\n\n<p>Johann und Hanne konnten kaum<br>Vor Liebesglut die D\u00e4mmerung erwarten,<br>Und schlichen sich in eben diesen Garten,<br>Von ungef\u00e4hr an eben diesen \u00c4pfelbaum.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans Steffen, der im Winkel oben sa\u00df<br>Und flei\u00dfig brach und a\u00df,<br>Ward m\u00e4uschenstill, vor Wartung b\u00f6ser Dinge,<br>Da\u00df seine N\u00e4scherei ihm diesmal schlecht gelinge.<br>Doch bald vernahm er unten Dinge,<br>Wor\u00fcber er der Furcht verga\u00df<br>Und immer sachte weiter a\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Johann warf Hannen in das Gras.<br>&#8222;Oh pfui,&#8220; rief Hanne; &#8222;welcher Spa\u00df!<br>Nicht doch Johann! &#8211; Ei was?<br>Oh, sch\u00e4me dich! &#8211; Ein andermal &#8211; oh la\u00df &#8211;<br>Oh, sch\u00e4me dich! &#8211; Hier ist es na\u00df.&#8220; &#8211; &#8211;<br>&#8222;Na\u00df, oder nicht; was schadet das?<br>Es ist ja reines Gras.&#8220; &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie dies Gespr\u00e4che weiter lief,<br>Das wei\u00df ich nicht, Wer brauchts zu wissen?<br>Sie stunden wieder auf und Hanne seufzte tief:<br>&#8222;So, sch\u00f6ner Herr! hei\u00dft das blo\u00df k\u00fcssen?<br>Das M\u00e4nnerherz! Kein einzger hat Gewissen!<br>Sie k\u00f6nnten es uns so vers\u00fc\u00dfen!<br>Wie grausam aber m\u00fcssen<br>Wir armen M\u00e4dchen \u00f6fters daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn nun auch mir ein Ungl\u00fcck widerf\u00e4hrt &#8211;<br>Ein Kind &#8211; ich zittre &#8211; wer ern\u00e4hrt<br>Mir dann das Kind? Kannst du es mir ern\u00e4hren?&#8220;<br>&#8222;Ich?&#8220; sprach Johann; &#8222;die Zeit mags lehren.<br>Doch wirds auch nicht von mir ern\u00e4hrt,<br>Der \u00fcber uns wirds schon ern\u00e4hren,<br>Dem \u00fcber uns vertrau!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dem \u00fcber uns! Dies h\u00f6rte Steffen.<br>Was, dacht er, will das Pack mich \u00e4ffen?<br>Der \u00fcber ihnen? Ei, wie schlau!<br>&#8222;Nein!&#8220; schrie er: &#8222;la\u00dft euch andre Hoffnung laben!<br>Der \u00fcber euch ist nicht so toll!<br>Wenn ich ein Bankbein1 n\u00e4hren soll:<br>So will ich es auch selbst gedrechselt haben!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hier erschrak und aus dem Garten rann,<br>Das waren Hanne und Johann.<br>Doch gaben bei dem Edelmann<br>Sie auch dem \u00c4pfeldieb wohl an?<br>Ich glaube nicht, da\u00df sies getan.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Johann Wolfgang von Goethe (1749 &#8211; 1832)<\/p>\n\n\n\n<p><br>Zueignung<\/p>\n\n\n\n<p>Der Morgen kam; es scheuchten seine Tritte<br>Den leisen Schlaf, der mich gelind umfing,<br>Da\u00df ich, erwacht aus meiner stillen H\u00fctte<br>Den Berg hinauf mit frischer Seele ging;<br>Ich freute mich bei einem jeden Schritte<br>Der neuen Blume, die voll Tropfen hing;<br>Der junge Tag erhob sich mit Entz\u00fccken,<br>Und alles war erquickt, mich zu erquicken.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie ich stieg zog von dem Flu\u00df der Wiesen<br>Ein Nebel sich in Streifen sacht hervor.<br>Er wich und wechselte, mich zu umflie\u00dfen,<br>Und wuchs gefl\u00fcgelt mir ums Haupt empor:<br>Des sch\u00f6nen Blicks sollt ich nicht mehr genie\u00dfen,<br>Die Gegend deckte mir ein tr\u00fcber Flor;<br>Bald sah ich mich von Wolken wie umgossen,<br>Und mit mir selbst in D\u00e4mmrung eingeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einmal schien die Sonne durchzudringen,<br>Im Nebel lie\u00df sich eine Klarheit sehn.<br>Hier sank er leise sich hinabzuschwingen;<br>Hier teilt&#8216; er steigend sich um Wald und H\u00f6hn.<br>Wie hofft ich ihr den ersten Gru\u00df zu bringen!<br>Sie hofft ich nach der Tr\u00fcbe doppelt sch\u00f6n.<br>Der luftge Kampf war lange nicht vollendet,<br>Ein Glanz umgab mich, und ich stand geblendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald machte mich, die Augen aufzuschlagen,<br>Ein innrer Trieb des Herzens wieder k\u00fchn;<br>Ich konnt es nur mit schnellen Blicken wagen,<br>Denn alles schien zu brennen und zu gl\u00fchn.<br>Da schwebte mit den Wolken hergetragen<br>Ein g\u00f6ttlich Weib vor meinen Augen hin,<br>Kein sch\u00f6ner Bild sah ich in meinem Leben;<br>Sie sah mich an und blieb verweilend schweben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kennst Du mich nicht? Sprach sie mit einem Munde,<br>Dem aller Lieb und Treue Ton entflo\u00df:<br>Erkennst Du mich, die ich in manche Wunde<br>Des Lebens Dir den reinsten Balsam go\u00df?<br>Du kennst mich wohl, an die zu ewgem Bunde,<br>Dein strebend Herz sich fest und fester schlo\u00df.<br>Sah ich Dich nicht mit hei\u00dfen Herzenstr\u00e4nen<br>Als Knabe schon nach mir dich eifrig sehnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ja! Rief ich aus, indem ich selig nieder<br>Zur Erde sank, lang hab ich das gef\u00fchlt:<br>Du gabst mir Ruh, wenn durch die jungen Glieder<br>Die Leidenschaft sich rastlos durchgew\u00fchlt;<br>Du hast mir wie mit himmlischen Gefieder<br>Am hei\u00dfen Tag die Stirne sanft gek\u00fchlt;<br>Du schenktest mir der Erde beste Gaben,<br>Und jedes Gl\u00fcck will ich durch dich nur haben!<\/p>\n\n\n\n<p>Dich nenn ich nicht. Zwar h\u00f6r ich dich von vielen<br>Gar oft genannt, und jeder hei\u00dft dich sein,<br>Ein jedes Aug glaubt auf dich zu zielen,<br>Fast jedem Auge wird dein Strahl zur Pein.<br>Ach, da ich irrte, hat ich viel Gespielen,<br>Da ich dich kenne, bin ich fast allein:<br>Ich mu\u00df mein Gl\u00fcck nur mit mir selbst genie\u00dfen,<br>Dein holdes Licht verdecken und verschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie l\u00e4chelte, sie sprach: Du siehst, wie klug,<br>Wie n\u00f6tig war&#8217;s, euch wenig zu enth\u00fcllen!<br>Kaum bist du sicher vor dem gr\u00f6bsten Trug,<br>Kaum bist du Herr vom ersten Kinderwillen,<br>So glaubst du dich schon \u00dcbermensch genug,<br>Vers\u00e4umst die Pflicht des Mannes zu erf\u00fcllen!<br>Wie viel bist du von andern unterschieden?<br>Erkenne dich, leb mit der Welt in Frieden!<\/p>\n\n\n\n<p>Verzeih mir, rief ich aus, ich meint es gut!<br>Soll ich umsonst die Augen offen haben?<br>Ein froher Wille lebt in meinem Blut,<br>Ich kenne ganz den Wert von deinen Gaben!<br>F\u00fcr andre w\u00e4chst in mir das edle Gut,<br>Ich kann und will das Pfund nicht mehr vergraben!<br>Warum sucht ich den Weg so sehnsuchtsvoll,<br>Wenn ich ihn nicht den Br\u00fcdern zeigen soll?<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie sprach, sah mich das hohle Wesen<br>Mit einem Blick mitleidger Nachsicht an;<br>Ich konnte mich in ihrem Auge lesen,<br>Was ich verfehlt und was ich recht getan.<br>Sie l\u00e4chelte, da war ich schon genesen,<br>Zu neuen Freuden stieg mein Geist heran:<br>Ich konnte nun mit innigem Vertrauen<br>Mich zu ihr nahn und ihre N\u00e4he schauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da reckte sie die Hand aus in die Streifen<br>Der leichten Wolken und des Dufts umher;<br>Wie sie ihn fa\u00dfte, lie\u00df er sich ergreifen,<br>Er lie\u00df sich ziehn, es war kein Nebel mehr.<br>Mein Auge konnt im Tale wieder schweifen,<br>Gen Himmel blickt ich, er war hell und hehr.<br>Nur sah ich sie den reinsten Schleier halten,<br>Er flo\u00df um sie und schwoll in tausend Falten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenne dich, ich kenne deine Schw\u00e4chen,<br>Ich wei\u00df, was Gutes in dir lebt und glimmt!<br>&#8211; So sagte sie, ich h\u00f6r sie ewig sprechen, &#8211;<br>Empfange hier, was ich dir lang bestimmt!<br>Dem Gl\u00fccklichen kann es an nichts gebrechen,<br>Der dies Geschenk mit stiller Seele nimmt:<br>Aus Morgenduft gewebt und Sonnenklarheit,<br>Der Dichtung Schleier aus der Hand der Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn es dir und deinen Freunden schw\u00fcle<br>Am Mittag wird, so wirf ihn in die Luft!<br>Sogleich ums\u00e4uselt Abendwindes K\u00fchle,<br>Umhaucht euch Blumen-W\u00fcrzgeruch und Duft.<br>Es schweigt das Wehen banger Erdgef\u00fchle,<br>Zum Wolkenbette wandelt sich die Gruft,<br>Bes\u00e4nftiget wird jede Lebenswelle,<br>Der Tag wird lieblich und die Nacht wird helle.<\/p>\n\n\n\n<p>So kommt denn, Freunde, wenn auf euren Wegen<br>Des Lebens B\u00fcrde schwer und schwerer dr\u00fcckt,<br>Wenn eure Bahn ein frischerneuter Segen<br>Mit Blumen ziert, mit goldnen Fr\u00fcchten schm\u00fcckt,<br>Wir gehn vereint dem n\u00e4chsten Tag entgegen!<br>So leben wir, so wandeln wir begl\u00fcckt.<br>Und dann auch soll, wenn Enkel um uns trauern,<br>Zu ihrer Lust noch unsre Liebe dauern.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Friedrich Schiller (1759 &#8211; 1805)<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Leichenphantasie<\/p>\n\n\n\n<p>Mit erstorbnem Scheinen<br>Steht der Mond auf totenstillen Hainen,<br>Seufzend streicht der Nachtgeist durch die Luft &#8211;<br>Nebelwolken schauern,<br>Sterne trauern<br>Bleich herab, wie Lampen in der Gruft.<br>Gleich Gespenstern, stumm und hohl und hager,<br>Zieht in schwarzem Totenpompe dort<br>Ein Gewimmel nach dem Leichenlager<br>Unterm Schauerflor der Grabnacht fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Zitternd an der Kr\u00fccke<br>Wer mit d\u00fcsterm, r\u00fcckgesunknem Blicke,<br>Ausgegossen in ein heulend Ach,<br>Schwer geneckt vom eisernen Geschicke,<br>Schwankt dem stumm getragnen Sarge nach?<br>Flo\u00df es Vater von des J\u00fcnglings Lippe?<br>Nasse Schauer schauern f\u00fcrchterlich<br>Durch sein gramgeschmolzenes Gerippe,<br>Seine Silberhaare b\u00e4umen sich. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgerissen seine Feuerwunde!<br>Durch die Seele H\u00f6llenschmerz!<br>Vater flo\u00df es von des J\u00fcnglings Munde,<br>Sohn gelispelt hat das Vaterherz.<br>Eiskalt, eiskalt liegt er hier im Tuche!<br>Und dein Traum, so golden einst, so s\u00fc\u00df!<br>S\u00fc\u00df und golden, Vater, dir zum Fluche!<br>Eiskalt, eiskalt liegt er hier im Tuche,<br>Deine Wonne und dein Paradies!<\/p>\n\n\n\n<p>Mild, wie umweht von Elysiumsl\u00fcften1,<br>Wie aus Auroras2 Umarmung geschl\u00fcpft,<br>Himmlisch umg\u00fcrtet mit rosigten D\u00fcften,<br>Florens Sohn \u00fcber das Blumenfeld h\u00fcpft,<br>Flog er einher, auf den lachenden Wiesen,<br>Nachgespiegelt von silberner Flut;<br>Wollustflammen entspr\u00fchten den K\u00fcssen,<br>Jagten die M\u00e4dchen in liebende Glut<\/p>\n\n\n\n<p>Mutig sprang er im Gew\u00fchle der Menschen,<br>Wie auf Gebirgen ein jugendlich Reh;<br>Himmelum flog er in schweifenden W\u00fcnschen,<br>Hoch wie der Adler in wolkigter H\u00f6h;<br>Stolz wie die Rosse sich str\u00e4uben und sch\u00e4umen,<br>Werfen im Sturme die M\u00e4hnen umher,<br>K\u00f6niglich wider den Z\u00fcgel sich b\u00e4umen,<br>Trat er vor Sklaven und F\u00fcrsten daher.<\/p>\n\n\n\n<p>Heiter wie Fr\u00fchlingstag schwand ihm das Leben,<br>Floh ihm vor\u00fcber in Hesperus&#8217;3 Glanz,<br>Klagen ertr\u00e4nkt&#8216; er im Golde der Reben,<br>Schmerzen verh\u00fcpft er im wirbelnden Tanz.<br>Welten schliefen im herrlichen Jungen,<br>Ha! Wenn er einsten zum Manne gereift &#8211;<br>Freu dich, Vater, im herrlichen Jungen,<br>Wenn einst die schlafenden Keime gereift.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein doch, Vater! &#8211; Horch! die Kirchhoft\u00fcre brauset,<br>Und die eh&#8217;rnen Angel klirren auf &#8211;<br>Wie&#8217;s hinein ins Grabgew\u00f6lbe grauset! &#8211;<br>Nein doch, la\u00df den Tr\u00e4nen ihren Lauf. &#8211;<br>Geh, du Holder, geh im Pfad der Sonne<br>Freudig weiter der Vollendung zu,<br>L\u00f6sche nun den edlen Durst nach Wonne,<br>Gramentbundner, in Walhallas Ruh! &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Wiedersehen &#8211; himmlischer Gedanke! &#8211;<br>Wiedersehen dort an Edens Tor!<br>Horch! Der Sarg versinkt mit dumpfigem Geschwanke,<br>Wimmernd schnurrt das Totenseil empor!<br>Da wir trunken umeinanderrollten,<br>Lippen schwiegen und das Auge sprach &#8211;<br>Haltet! haltet! &#8211; da wir boshaft grollten &#8211;<br>Aber Tr\u00e4nen st\u00fcrzen w\u00e4rmer nach &#8211; &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit erstorbnem Scheinen<br>Steht der Mond auf totenstillen Hainen,<br>Seufzend streicht der Nachtgeist durch die Luft.<br>Nebelwolken schauern,<br>Sterne trauern<br>Bleich herab, wie Lampen in der Gruft.<br>Dumpfig schollert&#8217;s \u00fcberm Sarg zum H\u00fcgel &#8211;<br>Oh, um Erdballs Sch\u00e4tze, nur noch einen Blick!<br>Starr und ewig schlie\u00dft des Grabes Riegel,<br>Dumpfer &#8211; dumpfer schollert&#8217;s \u00fcberm Sarg zum H\u00fcgel,<br>Nimmer gibt das Grab zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><br><br>Der Tanz<\/p>\n\n\n\n<p>Siehe, wie schwebenden Schritts im Wellenschwung sich die Paare<br>Drehen, den Boden ber\u00fchrt kaum der gefl\u00fcgelte Fu\u00df.<br>Seh ich fl\u00fcchtige Schatten, befreit von der Schwere des Leibes?<br>Schlingen im Mondlicht dort Elfen den luftigen Reihn?<br>Wie, vom Zephir gewiegt, der leichte Rauch in die Luft flie\u00dft,<br>Wie sich leise der Kahn schaukelt auf siberner Flut,<br>H\u00fcpft der gelehrige Fu\u00df auf des Takts melodischer Woge;<br>S\u00e4uselndes Saitenget\u00f6n hebt den \u00e4therischen Leib.<br>Jetzt als wollt es mit Macht durchrei\u00dfen die Kette des Tanzes,<br>Schwingt sich ein mutiges Paar dort in den dichtesten Reihn.<br>Schnell vor ihm her entsteht ihm die Bahn, die hinter ihm schwindet,<br>Wie durch magische Hand \u00f6ffnet und schlie\u00dft sich der Weg.<br>Sieh! jetzt schwand es dem Blick; in wildem Gewirr durcheinander<br>St\u00fcrzt der zierliche Bau dieser beweglichen Welt.<br>Nein, dort schwebt es frohlockend herauf, der Knoten entwirrt sich,<br>Nur mit ver\u00e4ndertem Reiz stellet die Regel sich her.<br>Ewig zerst\u00f6rt, es erzeugt sich ewig die drehende Sch\u00f6pfung,<br>Und ein stilles Gesetz lenkt der Verwandlungen Spiel.<br>Sprich, wie geschieht&#8217;s, da\u00df rastlos erneut die Bildungen schwanken<br>Und die Ruhe besteht in der bewegten Gestalt,<br>Jeder ein Herrscher, frei, nur dem eigenen Herzen gehorchet<br>Und im eilenden Lauf findet die einzelne Bahn?<br>Willst Du es wissen? Es ist des Wohllauts m\u00e4chtige Gottheit,<br>Die zum geselligen Tanz ordnet den tobenden Sprung,<br>Die, der Nemesis gleich, an des Rhythmus goldenem Z\u00fcgel<br>Lenkt die brausende Lust und die verwilderte z\u00e4hmt.<br>Und dir rauschen umsonst die Harmonien des Weltalls,<br>Dich ergreift nicht der Strom dieses erhabnen Gesangs,<br>Nicht der begeisternde Takt, den alle Wesen dir schlagen,<br>Nicht der wirbelnde Tanz, der durch den ewigen Raum<br>Leuchtende Sonnen schwingt in k\u00fchn gewundenen Bahnen?<br>Das du im Spiele doch ehrst, fliehst du im Handeln, das Ma\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gotthold Ephraim Lessing (1729 -1781) Der \u00fcber uns Hans Steffen stieg bei D\u00e4mmerung (und kaumKonnt er vor N\u00e4schigkeit die D\u00e4mmerung <span class=\"more-text\">&hellip;<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,253],"tags":[207,260,255,261],"class_list":["post-1744","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-lyrik-anthologie","tag-goethe","tag-lessing","tag-lyric","tag-schiller"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1744","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1744"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1744\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1745,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1744\/revisions\/1745"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1744"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1744"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1744"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}