{"id":1747,"date":"2025-09-07T13:08:28","date_gmt":"2025-09-07T11:08:28","guid":{"rendered":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/?p=1747"},"modified":"2026-02-10T20:11:48","modified_gmt":"2026-02-10T19:11:48","slug":"lyrik-anthologie-schlegel-hoelderlin-novalis-kleist-eichendorff-heine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/lyrik-anthologie-schlegel-hoelderlin-novalis-kleist-eichendorff-heine\/","title":{"rendered":"Lyrik-Anthologie \/Schlegel, H\u00f6lderlin, Novalis, Kleist, Eichendorff, Heine"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\">August Wilhelm von Schlegel (1767 &#8211; 1845)<\/p>\n\n\n\n<p>Verteilung des Schreibger\u00e4ts f\u00fcr die heutige Zeit<\/p>\n\n\n\n<p>Die starren Schwanenfedern euch, Zensoren!<br>Den alten G\u00e4nsekiel langweiligen Autoren!<br>Unz\u00e4hl&#8217;ge Ladies&#8217;pens f\u00fcr Liebesbriefgekritzel,<br>Dann Rabenfedern auch f\u00fcr Feuilleton-Gewitzel.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><br>Auf die Taufe eines Negers<\/p>\n\n\n\n<p>Gedichtet im Schlo\u00df Chaumont an der Loire. Die Taufzeugen waren Madame Juliette Recamier und Herr Matthieu de Montmorency.<\/p>\n\n\n\n<p>Den schwarzen Sohn der sonnentflammten Zone<br>Entf\u00fchrt aus seinem Palmen-Vaterlande<br>Europa&#8217;s Geiz, da\u00df er an fernem Strande<br>In hartem Sklavendienst verschmachtend frohne.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Freiheit wird dem Armen erst zum Lohne.<br>F\u00fcr seine Treu&#8216; entfallen ihm die Bande;<br>Er lernt, begl\u00fcckt in seinem niedern Stande,<br>Da\u00df Mild&#8216; und Recht im Land der Wei\u00dfen wohne.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald winken ihm zwei segnende Gestirne:<br>Seht! Huld und Adel mit vereintem Triebe<br>Geleiten ihm zum heil&#8217;gen Glaubensbade.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Lichtstrahl f\u00e4llt auf seine dunkle Stirne,<br>Ihm offenbart der Christen fromme Liebe<br>Das g\u00f6ttliche Geheimnis ew&#8217;ger Gnade.<\/p>\n\n\n\n<p>[1806-07, im Alter von 39 bzw. 40 Jahren]<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Johann Christian Friedrich H\u00f6lderlin (1770 &#8211; 1843)<\/p>\n\n\n\n<p>An die Unerkannte<\/p>\n\n\n\n<p>Kennst du sie, die selig, wie die Sterne,<br>Von des Lebens dunkler Woge ferne<br>Wandellos in stiller Sch\u00f6ne lebt,<br>Die des Herzens l\u00f6wenk\u00fchne Siege<br>Des Gedankens fesselfreie Fl\u00fcge,<br>Wie der Tag den Adler, \u00fcberschwebt?<\/p>\n\n\n\n<p>Die uns trifft mit ihren Mittagsstrahlen,<br>Uns entflammt mit ihren Idealen,<br>Wie vom Himmel, uns Gebote schickt,<br>Die die Weisen nach dem Wege fragen,<br>Stumm und ernst, wie von dem Sturm verschlagen<br>Nach dem Orient der Schiffer blickt?<\/p>\n\n\n\n<p>Die das Beste gibt aus sch\u00f6ner F\u00fclle,<br>Wenn aus ihr die Riesenkraft der Wille<br>Und der Geist sein stilles Urteil nimmt,<br>Die dem Lebensliede seine Weise,<br>Die das Ma\u00df der Ruhe, wie dem Flei\u00dfe<br>Durch den Mittler unsern Geist bestimmt?<\/p>\n\n\n\n<p>Die, wenn uns des Lebens Leere t\u00f6tet<br>Magisch uns die welken Schl\u00e4fen r\u00f6tet,<br>Uns mit Hoffnungen das Herz verj\u00fcngt,<br>Die den Dulder, den der Sturm zertr\u00fcmmert,<br>Den sein fernes Ithaka bek\u00fcmmert,<br>In Alcinous Gefilde bringt?<\/p>\n\n\n\n<p>Kennst du sie, die uns mit Lorbeerkronen,<br>Mit der Freude be\u00dfrer Regionen<br>Ehe wir zu Grabe gehn, vergillt,<br>Die der Liebe g\u00f6ttlichstes Verlangen,<br>Die das sch\u00f6nste, was wir angefangen,<br>M\u00fchelos im Augenblick erf\u00fcllt?<\/p>\n\n\n\n<p>Die der Kindheit Wiederkehr beschleunigt,<br>Die den Halbgott, unsern Geist, vereinigt<br>Mit den G\u00f6ttern, die er k\u00fchn verst\u00f6\u00dft,<br>Die des Schicksals eh&#8217;rne Schl\u00fcsse mildert,<br>Und im Kampfe, wenn das Herz verwildert,<br>Uns bes\u00e4nftigend den Harnisch l\u00f6st?<\/p>\n\n\n\n<p>Die das Eine, das im Raum der Sterne,<br>Das du suchst in aller Zeiten Ferne<br>Unter St\u00fcrmen, auf verwegner Fahrt,<br>Das kein sterblicher Verstand ersonnen,<br>Keine, keine Tugend noch gewonnen,<br>Die des Friedens goldne Frucht bewahrt?<\/p>\n\n\n\n<p>[1796-98, im Alter von 26-28 Jahren]<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><br>Der Abschied<\/p>\n\n\n\n<p>Trennen wollten wir uns? w\u00e4hnten es gut und klug?<br>Da wir&#8217;s taten, warum schreckte uns, wie Mord, die Tat?<br>Ach! wir kennen uns wenig,<br>Denn es waltet ein Gott in uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Den verraten? ach ihn, welcher uns alles erst,<br>Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden<br>Schutzgott unserer Liebe,<br>Dies, dies Eine vermag ich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber anderen Fehl denket der Weltsinn sich,<br>Andern ehernen Dienst \u00fcbt er und anders Recht,<br>Und es listet die Seele<br>Tag f\u00fcr Tag der Gebrauch uns ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl! ich wu\u00dft&#8216; es zuvor. Seit die gewurzelte<br>Ungestalte die Furcht G\u00f6tter und Menschen trennt,<br>Mu\u00df, mit Blut sie zu s\u00fchnen,<br>Mu\u00df der Liebenden Herz vergehn.<\/p>\n\n\n\n<p>La\u00df mich schweigen! oh la\u00df nimmer von nun an mich<br>Dieses T\u00f6dliche sehn, da\u00df ich im Frieden doch<br>Hin ins Einsame ziehe,<br>Und noch unser der Abschied sei!<\/p>\n\n\n\n<p>Reich die Schale mir selbst, da\u00df ich des rettenden<br>Heil&#8217;gen Giftes genug, da\u00df ich des Lethetranks1<br>Mit dir trinke, da\u00df alles<br>Ha\u00df und Liebe vergessen sei!<\/p>\n\n\n\n<p>Hingehn will ich. Vielleicht seh&#8216; ich in langer Zeit<br>Diotima! dich hier. Aber verblutet ist<br>Dann das W\u00fcnschen und friedlich<br>Gleich den Seligen, fremde gehn<\/p>\n\n\n\n<p>Wir umher, ein Gespr\u00e4ch f\u00fchret uns ab und auf,<br>Sinnend, z\u00f6gernd, doch jetzt mahnt die Vergessenen<br>Hier die Stelle des Abschieds,<br>Es erwarmet ein Herz in uns,<\/p>\n\n\n\n<p>Staunend seh&#8216; ich dich an, Stimmen und s\u00fc\u00dfen Sang,<br>Wie aus voriger Zeit h\u00f6r&#8216; ich und Saitenspiel,<br>Und die Lilie duftet<br>Golden \u00fcber dem Bach uns auf.<\/p>\n\n\n\n<p>[nach 1800]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><br><a><\/a>Friedrich von Hardenberg alias Novalis (1772 &#8211; 1801)<\/p>\n\n\n\n<p>Badelied<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Freunde herunter das hei\u00dfe Gewand<br>Und tauchet in k\u00fchlende Flut<br>Die Glieder, die matt von der Sonne gebrannt,<br>Und holet von neuem euch Mut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hitze erschlaffet, macht tr\u00e4ge uns nur,<br>nicht munter und t\u00e4tig und frisch,<br>Doch Leben gibt uns und der ganzen Natur<br>Die Quelle im k\u00fchlen Geb\u00fcsch.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht, da\u00df sich hier auch ein M\u00e4dchen gek\u00fchlt<br>Mit rosichten Wangen und Mund,<br>Am niedlichen Leibe dies Wellchen gespielt,<br>Am Busen so wei\u00df und so rund.<\/p>\n\n\n\n<p>Und welches Entz\u00fccken! dies Wellchen besp\u00fclt<br>Auch meine entkleidete Brust.<br>Oh! wahrlich, wer diesen Gedanken nur f\u00fchlt,<br>Hat s\u00fc\u00dfe entz\u00fcckende Lust.<\/p>\n\n\n\n<p>[aus der Schulzeit]<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><a><\/a>Heinrich von Kleist (1777 &#8211; 1811)<\/p>\n\n\n\n<p>Das letzte Lied<\/p>\n\n\n\n<p>Fern ab am Horizont, auf Felsenrissen,<br>Liegt der gewitterschwarze Krieg get\u00fcrmt.<br>Die Blitze zucken schon, die ungewissen,<br>Der Wandrer sucht das Laubdach, das ihn schirmt.<br>Und wie ein Strom, geschwellt von Regeng\u00fcssen,<br>Aus seines Ufers Bette heulend st\u00fcrmt,<br>Kommt das Verderben, mit entbundnen Wogen,<br>Auf alles, was besteht, herangezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der alten Staaten graues Prachtger\u00fcste<br>Sinkt donnernd ein, von ihm hinweggesp\u00fclt,<br>Wie, auf der Heide Grund, ein Wurmgeniste,<br>Von einem Knaben scharrend weggew\u00fchlt;<br>Und wo das Leben, um der Menschen Br\u00fcste,<br>in tausend Lichtern jauchzend hat gespielt,<br>Ist es so lautlos jetzt, wie in den Reichen,<br>Durch die die Wellen des Kozytus1 schleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ein Geschlecht, von d\u00fcsterm Haar umflogen,<br>Tritt aus der Nacht, das keinen Namen f\u00fchrt,<br>Das, wie ein Hirngespinst der Mythologen,<br>Hervor aus der Erschlagnen Knochen stiert;<br>Das ist geboren nicht und nicht erzogen<br>Vom alten, das im deutschen Land regiert:<br>Das l\u00e4\u00dft in T\u00f6nen, wie der Nord an Str\u00f6men,<br>Wenn er im Schilfrohr seufzet, sich vernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und du, oh Lied, voll unnennbarer Wonnen,<br>Das das Gef\u00fchl so wunderbar erhebt,<br>Das, einer Himmelsurne wie entronnen,<br>Zu den entz\u00fcckten Ohren niederschwebt,<br>Bei dessen Klang, empor ins Reich der Sonnen,<br>Von allen Banden frei die Seele strebt;<br>Dich trifft der Todespfeil; die Parzen2 winken,<br>Und stumm ins Grab mu\u00dft du daniedersinken.<\/p>\n\n\n\n<p>Erschienen, festlich, in der V\u00f6lker Reigen,<br>Wird dir kein Beifall mehr entgegen bl\u00fchn,<br>Kein Herz dir klopfen, keine Brust dir steigen,<br>Dir keine Tr\u00e4ne mehr zur Erde gl\u00fchn,<br>Und nur wo einsam, unter Tannenzweigen,<br>Zu Leichensteinen stille Pfade fliehn,<br>Wird Wanderern, die bei den Toten leben,<br>Ein Schatten deiner Sch\u00f6n&#8216; entgegenschweben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und st\u00e4rker rauscht der S\u00e4nger in die Saiten,<br>der T\u00f6ne ganze Macht lockt er hervor,<br>Er singt die Lust, f\u00fcrs Vaterland zu streiten,<br>Und machtlos schl\u00e4gt sein Ruf an jedes Ohr, &#8211;<br>Und da sein Blick das Blutpanier der Zeiten<br>Stets weiter flattern sieht, von Tor zu Tor,<br>Schlie\u00dft er sein Lied, er w\u00fcnscht mit ihm zu enden,<br>Und legt die Leier weinend aus den H\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>[1809, im Alter von 32 Jahren, zwei Jahre vor seinem Suizid]<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><a><\/a>Joseph von Eichendorff (1788 &#8211; 1857)<\/p>\n\n\n\n<p>Trennung<\/p>\n\n\n\n<p>Denkst du noch jenes Abends, still vor Sehnen,<br>Wo wir zum letztenmal im Park beisammen?<br>K\u00fchl standen rings des Abendrotes Flammen,<br>Ich scherzte wild &#8211; Du l\u00e4cheltest durch Tr\u00e4nen.<br>So spielt der Wahnsinn lieblich mit den Schmerzen<br>An j\u00e4her Schl\u00fcfte Rand, die nach ihm trachten;<br>Er mag der lauernden Gefahr nicht achten;<br>Er hat den Tod ja schon im \u00f6den Herzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob du die Mutter auch belogst, betr\u00fcbtest,<br>Was andre Leute dr\u00fcber deuten, sagen &#8211;<br>Sonst scheu &#8211; heut mocht&#8217;st Du Nichts nach Allem fragen,<br>Mir einzig zeigen nur, wie Du mich liebtest.<br>Und aus dem Hause heimlich so entwichen,<br>Gabst Du in&#8217;s Feld mir schweigend das Geleite,<br>Vor uns das Tal, das hoffnungsreiche, weite,<br>Und hinter uns kam grau die Nacht geschlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Du gehst nun fort, sprachst Du, ich bleib&#8216; alleine;<br>Ach! d\u00fcrft&#8216; ich Alles lassen, still und heiter<br>Mit Dir so ziehn hinab und immer weiter &#8211;<br>Ich sah Dich an &#8211; es spielten bleiche Scheine<br>So wunderbar um Locken Dir und Glieder;<br>So ruhig, fremd warst Du mir erschienen,<br>Es war, als sagten die versteinten Mienen,<br>Was Du verschwiegst: Wir seh&#8217;n uns niemals wieder!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><br>Auf meines Kindes Tod<\/p>\n\n\n\n<p>1.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kindlein spielt&#8216; drau\u00dfen im Fr\u00fchlingsschein,<br>Und freut&#8216; sich und hatte so viel zu sehen,<br>Wie die Felder schimmern und die Str\u00f6me gehen &#8211;<br>Da sah der Abend durch die B\u00e4ume herein,<br>Der alle die sch\u00f6nen Bilder verwirrt.<br>Und wie es nun ringsum so stille wird,<br>Beginnt aus den T\u00e4lern ein heimlich Singen,<br>Als wollt&#8217;s mit Wehmut die Welt umschlingen,<br>Die Farben vergehn und die Erde wird bla\u00df.<br>Voll Staunen fragt&#8217;s Kindlein: ach, was ist das?<\/p>\n\n\n\n<p>Und legt sich tr\u00e4umend in&#8217;s s\u00e4uselnde Gras;<br>Da r\u00fchren die Blumen ihm k\u00fchle an&#8217;s Herz<br>Und l\u00e4chelnd f\u00fchlt es so s\u00fc\u00dfen Schmerz,<br>Und die Erde, die Mutter, so sch\u00f6n und bleich,<br>K\u00fc\u00dft das Kindlein und l\u00e4\u00dft&#8217;s nicht los,<br>Zieht es herzinnig in ihren Scho\u00df<br>Und bettet es drunten gar warm und weich,<br>Still unter Blumen und Moos. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Und was weint ihr, Vater und Mutter, um mich?<br>In einem viel sch\u00f6neren Garten bin ich,<br>Der ist so gro\u00df und weit und wunderbar,<br>Viel Blumen stehn dort, von Golde klar,<br>Und sch\u00f6ne Kindlein mit Fl\u00fcgeln schwingen<br>Auf und nieder sich drauf und singen. &#8211;<br>Die kenn ich gar wohl aus der Fr\u00fchlingszeit,<br>Wie sie zogen \u00fcber Berge und T\u00e4ler weit<br>Und Mancher mich da aus dem Himmelblau rief,<br>Wenn ich drunten im Garten schlief. &#8211;<br>Und mitten zwischen den Blumen und Scheinen<br>Steht die sch\u00f6nste von allen Frauen,<br>Ein gl\u00e4nzend Kindlein an ihrer Brust. &#8211;<br>Ich kann nicht sprechen und auch nicht weinen,<br>Nur singen immer und wieder dann schauen<br>Still vor gro\u00dfer, seliger Lust.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>5.<\/p>\n\n\n\n<p>Freuden wollt&#8216; ich dir bereiten,<br>Zwischen K\u00e4mpfen, Lust und Schmerz<br>Wollt&#8216; ich treulich dich geleiten<br>Durch das Leben himmelw\u00e4rts.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch du hast&#8217;s allein gefunden<br>Wo kein Vater f\u00fchren kann,<br>Durch die ernste, dunkle Stunde<br>Gingst du schuldlos mir voran.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie das S\u00e4useln leiser Schwingen<br>Drau\u00dfen \u00fcber Tal und Kluft<br>Ging zur selben Stund ein Singen<br>Ferne durch die stille Luft.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so fr\u00f6hlich gl\u00e4nzt der Morgen,<br>&#8218;S war als ob das Singen sprach:<br>Jetzo lasset alle Sorgen,<br>Liebt ihr mich, so folgt mir nach!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Todeslust<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor er in die blaue Flut gesunken,<br>Tr\u00e4umt noch der Schwan und singet todestrunken;<br>Die sommerm\u00fcde Erde im Verbl\u00fchen<br>L\u00e4\u00dft all ihr Feuer in den Trauben gl\u00fchen;<br>Die Sonne, Funken spr\u00fchend, im Versinken,<br>Gibt noch einmal der Erde Glut zu trinken,<br>Bis, Stern auf Stern, die Trunkne zu umfangen,<br>Die wunderbare Nacht ist aufgegangen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Heinrich (Harry) Heine (1797 &#8211; 1856)<\/p>\n\n\n\n<p>In Mathildens Stammbuch<\/p>\n\n\n\n<p>Hier, auf gewalkten Lumpen, soll ich<br>Mit einer Spule von der Gans<br>Hinkritzeln ernsthaft halb, halb drollig,<br>Versifizierten Firlefanz &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich, der gewohnt mich auszusprechen<br>Auf deinem sch\u00f6nen Rosenmund,<br>Mit K\u00fcssen, die wie Flammen brechen<br>Hervor aus tiefstem Herzensgrund!<\/p>\n\n\n\n<p>Oh Modewut! Ist man ein Dichter,<br>Qu\u00e4lt uns die eigne Frau zuletzt<br>Bis man, wie andre Sangeslichter,<br>Ihr einen Reim ins Album setzt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Das Gl\u00fcck&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gl\u00fcck ist eine leichte Dirne,<br>Und weilt nicht gern am selben Ort;<br>Sie streicht das Haar dir von der Stirne<br>Und k\u00fc\u00dft dich rasch und flattert fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Ungl\u00fcck hat im Gegenteile<br>Dich liebefest an&#8217;s Herz gedr\u00fcckt;<br>Sie sagt, sie habe keine Eile,<br>Setzt sich zu dir an&#8217;s Bett und strickt.<\/p>\n\n\n\n<p>[1853 oder 54, im Alter von 56 bzw. 57 Jahren, ca. zwei Jahre vor seinem Tod]<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Nixen<\/p>\n\n\n\n<p>Am einsamen Strande pl\u00e4tschert die Flut,<br>Der Mond ist aufgegangen,<br>Auf wei\u00dfer D\u00fcne der Ritter ruht,<br>Von bunten Tr\u00e4umen befangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sch\u00f6nen Nixen, im Schleiergewand,<br>Entsteigen der Meerestiefe.<br>Sie nahen sich leise dem jungen Fant,<br>Sie glauben wahrhaftig er schliefe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eine betastet mit Neubegier<br>Die Federn auf seinem Barette.<br>Die Andere nestelt am Bandelier1<br>Und an der Waffenkette.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Dritte lacht und ihr Auge blitzt,<br>Sie zieht das Schwert aus der Scheide,<br>Und auf dem blanken Schwert gest\u00fctzt<br>Beschaut sie den Ritter mit Freude.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vierte t\u00e4nzelt wohl hin und her<br>Und fl\u00fcstert aus tiefem Gem\u00fcte:<br>&#8222;Oh, da\u00df ich doch dein Liebchen w\u00e4r&#8216;,<br>Du holde Menschenbl\u00fcte!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00fcnfte k\u00fc\u00dft des Ritter H\u00e4nd&#8216;,<br>Mit Sehnsucht und Verlangen;<br>Die Sechste z\u00f6gert und k\u00fc\u00dft am End<br>Die Lippen und die Wangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ritter ist klug, es f\u00e4llt ihm nicht ein,<br>Die Augen \u00f6ffnen zu m\u00fcssen;<br>Er l\u00e4\u00dft sich ruhig im Mondenschein<br>Von sch\u00f6nen Nixen k\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Begegnung<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl unter der Linde erklingt die Musik,<br>Da tanzen die Burschen und M\u00e4del,<br>Da tanzen zwei, die niemand kennt,<br>Sie schau&#8217;n so schlank und edel.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schweben auf, sie schweben ab,<br>In seltsam fremder Weise,<br>Sie lachen sich an, sie sch\u00fctteln das Haupt,<br>Das Fr\u00e4ulein fl\u00fcstert leise:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Mein sch\u00f6ner Junker, auf eurem Hut<br>Schwankt eine Neckenlilie,<br>Die w\u00e4chst nur tief in Meeresgrund &#8211;<br>Ihr stammt nicht aus Adams Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr seid der Wassermann, Ihr wollt<br>Verlocken des Dorfes Sch\u00f6nen.<br>Ich hab&#8216; Euch erkannt, beim ersten Blick,<br>An Euren fischgr\u00e4tigen Z\u00e4hnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schweben auf, sie schweben ab,<br>In seltsam fremder Weise,<br>Sie lachen sich an, sie sch\u00fctteln das Haupt,<br>Der Junker fl\u00fcstert leise:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Mein sch\u00f6nes Fr\u00e4ulein, sagt mir warum<br>So eiskalt Eure Hand ist?<br>Sagt mir, warum so na\u00df der Saum<br>an Eurem wei\u00dfen Gewand ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hab&#8216; Euch erkannt, beim ersten Blick,<br>An Eurem sp\u00f6ttischen Knixe &#8211;<br>Du bist kein irdisches Menschenkind,<br>Du bist mein M\u00fchmchen die Nixe.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geigen verstummen, der Tanz ist aus,<br>Es trennen sich h\u00f6flich die beiden.<br>Sie kennen sich leider viel zu gut,<br>Suchen sich jetzt zu vermeiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>August Wilhelm von Schlegel (1767 &#8211; 1845) Verteilung des Schreibger\u00e4ts f\u00fcr die heutige Zeit Die starren Schwanenfedern euch, Zensoren!Den alten <span class=\"more-text\">&hellip;<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1808,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,253],"tags":[262,267,266,264,265,263],"class_list":["post-1747","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-lyrik-anthologie","tag-eichendorff","tag-heine","tag-hoelderlin","tag-kleist","tag-novalis","tag-schlegel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1747"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1747\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1748,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1747\/revisions\/1748"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}