{"id":1749,"date":"2025-09-07T13:10:29","date_gmt":"2025-09-07T11:10:29","guid":{"rendered":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/?p=1749"},"modified":"2026-02-10T20:11:11","modified_gmt":"2026-02-10T19:11:11","slug":"lyrik-anthologie-droste-huelshoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/lyrik-anthologie-droste-huelshoff\/","title":{"rendered":"Lyrik-Anthologie \/ Droste-H\u00fclshoff"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\">Annette von Droste-H\u00fclshoff (1797 &#8211; 1848)<\/p>\n\n\n\n<p>Dichters Naturgef\u00fchl<\/p>\n\n\n\n<p>Es war an einem jener Tage,<br>Wo Lenz und Winter sind im Streit,<br>Wo na\u00df das Veilchen klebt am Haage,<br>Kurz, um die erste Maienzeit;<br>Ich suchte keuchend mir den Weg<br>Durch sumpfge Wiesen, d\u00fcrre Raine,<br>Wo matt die Kr\u00f6te hockt&#8216; am Steine,<br>Die Eidechs schl\u00fcpfte \u00fcber&#8217;n Steg.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch hundert kleine Wassertruhen,<br>Die wie verk\u00fchlter Sp\u00fcligt stehn,<br>Zu stelzen mit den Gummischuhen,<br>Bei Gott, hei\u00dft das Spazierengehn?<br>Natur, wer auf dem Haberrohr<br>In Jamben, Stanzen, s\u00fc\u00dfen Phrasen<br>So manches Loblied dir geblasen,<br>Dem stell dich auch manierlich vor!<\/p>\n\n\n\n<p>Da lie\u00df zur\u00fcck den Schleier wehen<br>Die eitle, vielbesungne Frau,<br>Als f\u00fcrchte sie des Dichters Schm\u00e4hen;<br>Im Sonnenlichte stand die Au,<br>Und bei dem ersten linden Strahl<br>Stieg eine Lerche aus den Schollen,<br>Und lie\u00df ihr Tirilirum rollen<br>Recht wacker durch den \u00c4thersaal.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Quellchen, glitzernd wie Kristallen, &#8211;<br>Die Zweige, gl\u00e4nzend emailliert &#8211;<br>Das kann dem Kenner schon gefallen,<br>Ich nickte l\u00e4chelnd: &#8222;es passiert!&#8220;<br>Und stapfte fort in eine Schluft,<br>Es war ein still und sonnig Fleckchen,<br>Wo tausend Anemonengl\u00f6ckchen<br>Umgaukelten des Veilchens Duft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00fcpp&#8217;ge Moos &#8211; der Lerchen Lieder &#8211;<br>Der Blumen Flor &#8211; des Krautes Keim &#8211;<br>Auf meinen Mantel sa\u00df ich nieder<br>Und sann auf einen Fr\u00fchlingsreim.<br>Da &#8211; alle Musen, welch ein Ton! &#8211;<br>Da kam den Rain entlang gesungen<br>So eine Art von dummen Jungen,<br>Der Friedrich, meines Schreibers Sohn.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Efeukranz im fl\u00e4chsnen Haare,<br>In seiner Hand den Veilchenstrau\u00df,<br>So trug er seine achtzehn Jahre<br>Romantisch in den Lenz hinaus.<br>Nun schl\u00fcpft er durch des Hagens Loch,<br>Nun hing er an den Dornenzwecken<br>Wie Abrams Widder in den Hecken,<br>Und in den Dornen pfiff er noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald hatt&#8216; er beugend, gleitend, springend,<br>Den Blumenanger abgegrast,<br>Und rief nun, seine M\u00e4hnen schwingend:<br>&#8222;Viktoria, Trompeten blast!&#8220;<br>Dann fl\u00fcstert er mit s\u00fc\u00dfem Hall:<br>&#8222;Oh, w\u00e4ren es die schwed&#8217;schen H\u00f6rner!&#8220;<br>Und dann begann ein Lied von K\u00f6rner;<br>F\u00fcrwahr, du bist &#8217;ne Nachtigall!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sah ihn, wie er an dem Walle<br>Im feuchten Moose niedersa\u00df,<br>Und nun die Veilchen, Gl\u00f6ckchen alle<br>Mit sel&#8217;gem Blick zu Str\u00e4u\u00dfen las,<br>Auf seiner Stirn den Sonnenstrahl;<br>Mich fa\u00dft&#8216; ein heimlich Unbehagen,<br>Warum? Ich wei\u00df es nicht zu sagen,<br>Der fade Bursch war mir fatal.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch war ich von dem blinden Hessen<br>Auf meinem Mantel nicht gesehn,<br>Und so begann ich zu ermessen,<br>Wie \u00fcbel ihm von Gott geschehn;<br>Oh Himmel, welch ein traurig Los,<br>Das Schicksal eines dummen Jungen,<br>Der zum Kopisten sich geschwungen<br>Und auf den Schreiber steuert los!<\/p>\n\n\n\n<p>Der in den kargen Feierstunden<br>Romane von der Zofe borgt,<br>Beklagt des L\u00f6wenritters Wunden<br>Und seufzend um den Posa sorgt,<br>Der seine Zelle, kalt und klein,<br>Schm\u00fcckt mit Aladdins Zaubergabe<br>Und an dem Quell, wie Schillers Knabe,<br>Violen schlingt in Kr\u00e4nzelein!<\/p>\n\n\n\n<p>In dessen wirbelndem Gehirne<br>Das Leben spukt gleich einer Fei,<br>Der &#8211; hastig fuhr ich an die Stirne:<br>&#8222;Wie, eine M\u00fccke schon im Mai?&#8220;<br>Und trabte zu der Schlucht hinaus,<br>Hohl hustend, mit beklemmter Lunge,<br>Und drinnen blieb der dumme Junge<br>Und pfiff zu seinem Veilchenstrau\u00df!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ChatGPT_Klimt_Droste_Huelshoff-683x1024.png\" alt=\"ChatGPT_Klimt_Droste_Huelshoff\" class=\"wp-image-1810\" srcset=\"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ChatGPT_Klimt_Droste_Huelshoff-683x1024.png 683w, https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ChatGPT_Klimt_Droste_Huelshoff-200x300.png 200w, https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ChatGPT_Klimt_Droste_Huelshoff-768x1152.png 768w, https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ChatGPT_Klimt_Droste_Huelshoff.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Katharine Sch\u00fccking<\/p>\n\n\n\n<p>Du hast es nie geahndet, nie gewu\u00dft,<br>Wie gro\u00df mein Lieben ist zu dir gewesen,<br>Nie hat dein klares Aug&#8216; in meiner Brust<br>Die scheu verh\u00fcllte Runenschrift gelesen,<br>Wenn du mir freundlich reichtest deine Hand,<br>Und wir zusammen durch die Gr\u00fcne wallten,<br>Nicht wu\u00dftest du, da\u00df wie ein G\u00f6tterpfand<br>Ich, wie ein k\u00f6stlich Kleinod sie gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Du sahst mich nicht als ich, ein heftig Kind,<br>Vom ersten Ku\u00df der jungen Muse trunken,<br>Im Garten kniete, wo die Quelle rinnt,<br>Und weinend in die Gr\u00e4ser bin gesunken;<br>Als zitternd ich gedreht der T\u00fcre Schlo\u00df,<br>Da ich zum ersten Mal dich sollte scheuen,<br>Westphalens Dichterin, und wie da flo\u00df<br>Durch mein bewegtes Herz ein selig Grauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr jung war ich und sehr an Liebe reich,<br>Begeisterung, der Hauch von dem ich lebte;<br>Ach! Manches ist zerst\u00e4ubt, der Asche gleich,<br>Was einst als Flamme durch die Adern bebte!<br>Mein Blick war klar und mein Erkennen stark,<br>Von seinem Trone mu\u00dfte manches steigen,<br>Und was ich einst genannt des Lebens Mark,<br>Das f\u00fchlt&#8216; ich jetzt mit frischem Stolz mein eigen.<\/p>\n\n\n\n<p>So scheut&#8216; ich es als fromme Sch\u00fclerin,<br>Dir wieder in das dunkle Aug&#8216; zu sehen,<br>Ich wollte nicht vor meiner Meisterin<br>Hochm\u00fctig, mit bedecktem Haupte, stehen.<br>Auch war ich krank, mein Sinnen sehr verwirrt,<br>Und keinen Namen mocht&#8216; ich sehnend nennen;<br>Doch hat dies deine Liebe nicht geirrt,<br>Du drangst zu mir nach langer Jahre Trennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als du vor mich tratest, fest und klar,<br>Und blicktest tief mir in der Seele Gr\u00fcnde,<br>Da ward ich meiner Schw\u00e4che wohl gewahr,<br>Was ich gedacht, das schien mir schwere S\u00fcnde.<br>Dein Bild, du Starke in der L\u00e4utrung Brand,<br>Stieg wie ein Ph\u00f6nix aus der Asche wieder,<br>Und tief im Herzen hab&#8216; ich es erkannt,<br>Wie zehnfach gr\u00f6\u00dfer du als deine Lieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Du sahst, Bescheid&#8217;ne, nicht, da\u00df damals hier<br>Aus deinem Blick Genesung ich getrunken,<br>Da\u00df deines Mundes Laute damals mir<br>Wie Naphtha in die Seele sind gesunken.<br>Ein jedes Wort, durchsichtig wie Kristall<br>Und kr\u00e4ftig gleich dem edelsten der Weine,<br>Schien mir zu rufen: &#8222;Auf! der Launen Ball,<br>Steh auf! erhebe dich, du Schwach&#8216; und Kleine!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun bist du hin! von Gottes reinstem Bild<br>Ist nur ein gr\u00fcner H\u00fcgel uns geblieben,<br>Den heut&#8216; umziehn die Winterst\u00fcrme wild<br>Und die Gedanken derer, die dich lieben.<br>Auch h\u00f6r&#8216; ich, da\u00df man einen Kranz gelegt<br>Von Lorbeer in des Grabes dunkle Moose,<br>Doch ich, Kathinka, widme dir bewegt<br>Den Efeu und die dornenvollste Rose.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Annette von Droste-H\u00fclshoff (1797 &#8211; 1848) Dichters Naturgef\u00fchl Es war an einem jener Tage,Wo Lenz und Winter sind im Streit,Wo <span class=\"more-text\">&hellip;<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1810,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,253],"tags":[268,269],"class_list":["post-1749","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-lyrik-anthologie","tag-droste-huelshoff","tag-lyrik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1749"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1749\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1822,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1749\/revisions\/1822"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1810"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frankjankowski.de\/wp_textblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}