Kubrick würde sich im Grabe räkeln. Oder: Warum, zum Kuckuck, ist mir das nicht eingefallen?!…

Filmtagebuch-Eintrag zu „Passengers“, einem Science Fiction mit einer großartigen Jennifer Lawrence und dem etwas zu perfekten Chris Pratt von 2016

Ob meine Begeisterung für “Passengers” auch deshalb so hohe Wellen schlägt, weil ich seit Längerem mit einer ähnlichen Grundidee schwanger gehe, ohne bislang den passenden Rahmen (und Elan) für eine Umsetzung gefunden zu haben? Gut möglich.

Ganz unabhängig davon ist dieser, mir 2016 ganz offensichtlich durch die Kino-Lappen gegangene SF des bislang nur durch den Alan Turing-Biopic “The Imitation Game” auffällig gewordenen Norwegers Morten Tyldum ein poetisch vielschichtiges, erzählerisch höchst fantasievolles, psychologisch sensibles und technisch beeindruckendes Meisterwerk. Die größte Freude bereitete mir das Inspirationsfeuerwerk. Schon mit Entwicklung der Ouvertüre – 5000 Menschen, für 120 Jahre in Tiefschlaf versetzt, reisen zu einem erdähnlichen Planeten; wegen einer Fehlfunktion wacht einer 90 Jahre zu früh auf – fragt man sich: Was soll, was kann, was wird der (etwas zu gut aussehende und etwas zu besonnene und als Techniker auch etwas zu prädestinierte) Protagonist tun? Andere Schlafende wecken? Wen und wie viel und mit welchen Überlegungen, Absichten? WAS für ein Potenzial für Fantasie! Zum einen wird hier ein mit Shining-Motiven fein garnierter Robinso Crusoe-Stoff neu verwoben, der sich zu einem bezaubernden, anrührenden Adam-und-Eva-Mythos entwickelt. Bei beinahe jeder Wendung frage ich mich, wie ich selbst die Geschichte weiterspinnen würde. Dabei ist der Film einfach viel zu spannend, um auf Pause zu drücken, sich den eigenen Fantasien hinzugeben. Einziger Wermutstropfen: die typisch Hollywood-übertriebenen, völlig unnötigen, ja störenden Actionsequenzen, wobei der schwerelose Swimmingpoolinhalt schon was hermacht. Und, wie gesagt: die geradezu unverschämte Attraktivität des Helden.

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