Ein Wort zur aktuellen Männlichkeit

Warum Chemotherapie-Überlebende mit Otitis-Media-Überziehern mächtige Gemächte vorschützen. Frank J. ergrübelt Sinn und Zweck hanswurstiger Modeerscheinungen junger (und älterer) Burschen

20. April 2014
Quelle des Beitragsbildes: Internet

Zunächst einmal gibt es da diese Hosen, deren Schritt so tief gelegt wurde, dass ein Pferdegehänge darin Platz fände – vielleicht, um ein eben solch mächtiges Gemächt vorzuschützen!? Unbewusst natürlich, ebenso, wie den wenigsten Krawattenträgern bewusst sein dürfte, dass ihr Accessoire nichts anderes ist, als ein riesiger Zeiger, bei dem ich mich manchmal frage, ob eine Korrelation zwischen der Beschaffenheit des Zeigers und der des Gezeigten besteht?
Die Lächerlichkeit dieser (übrigens im krassen Gegensatz zur hautengen 70er-Jahre-Jeans stehenden) Mode, dürfte nur noch durch die des Barocks übertroffen werden. Und ihre Hässlichkeit nur noch durch die aktuelle Glatzenrasiererei, die ja ebenfalls im Extremkontrast zur 70er Frisur steht.
Laut Wikipedia gehen Hängehosen auf die Praxis in US-Gefängnissen zurück, Gefangenen ihre Gürtel abzunehmen, damit sie nicht sich selbst oder anderen Leid damit zufügen. Entlassene Strafgefangene trugen ihre rutschenden Hosen angeblich nach der Entlassung auf diese Art weiter, wodurch die Mode Einzug in die Kultur des Gangsta-Raps fand (sofern man überhaupt bei Leuten von Kultur reden kann, die nicht einmal das Wort „Gangster“ richtig schreiben). Auf diese Weise sollte das Image eines harten Kerls an den Tag gelegt werden…

Hart?!… Ich weiß nicht. Manchen hängt die Hose so tief, dass man sie einfach nur zu schubsen bräuchte, um sie zu Boden zu kriegen.
Vielmehr passen diese so genannten „Baggy Pants“ zu meiner Wahrnehmung, dass Jugendliche seit geraumer Zeit orientalische Gepflogenheiten nachäffen. Erstmals fiel mir diese verblüffende Fremdorientierung Anfang des Jahrtausends in den Umkleidekabinen des Fußballvereins auf: junge Deutsche behielten beim Duschen ihre Unterhosen an, weil junge Türken es taten – so, wie muslimische Immigranten in hiesigen Saunen gelegentlich ihre Genitalien in Badehosen verstecken, vermutlich, um dadurch den Verlust der (Intimsphäre schützenden) Vorhaut zu kompensieren (was man in diesem Kontext verquerer Weise durchaus als „ungeniert“ bezeichnen kann). Auch hier also, wie in der Sprache, eine völlig unerwartete Adaption fremder (quasi buchstäblich niederer) kultureller Stilblüten.

Wegen meiner Mittelohrentzündung muss ich zurzeit selbst bei 20 Grad Außentemperatur und Null km/h Windgeschwindigkeit meine Ohren mittels Pudelmütze schützen, falle aber nicht weiter auf, da ich keinen Pudel trage. Im Gegenteil: man hält mich für modebewusst. Wer weiß, ob das Grassieren dieser manierierten Kopfbedeckerei nicht sogar durch eine Mittelohrentzündung ausgelöst wurde?
Und ob nicht Quentin Tarantino bei der Berlinale-Pressekonferenz ebenfalls unter Otitis Media litt…
Oder handelt es sich um eine weitere Hommage an islamische Bekleidungsusancen? Womöglich sogar um eine implizite Sympathiebezeugung für Amerikas meistgehassten Feind?! Also um ein weiteres Indiz für die Prognose, dass hierzulande bald alle wie Al-Qaida-Freischärler herumlaufen?
Demnach dürften demnächst Langbärte als schick gelten!… Aber Moment, das geschieht ja bereits. Man betrachte nur die young-fashion-Plakate, auf denen es von vollbärtigen Schönlingen nur so wimmelt…

Für das dritte und weitaus peinlichste ästhetische Ärgernis sorgen diese (zumeist unförmigen) eichelkahlen Glatzen, die seit geraumer Zeit, vermutlich seit der Ära zwischen „Die Hard“ 4 und 5, wie giftige Pilze massenhaft aus dem urbanen Boden sprießen – und das so selbstbewusst, als identifizierten sich alle mit John McClane.
Vielleicht führen ja die beiden letztgenannten Geschmacksverirrungen irgendwann auf wundersame Weise zu einer Art symbiotischen Patentlösung – zum Beispiel indem die zipfellosen Otitis-Media-Zipfelmützen als Glatzkopfüberzieher, also quasi als Ekel-Verhütungsmittel und zugleich als eine Art Schädeldecken-Praeputium, fungieren, so dass diese Hässlinge wenigstens nicht mehr wie Chemotherapie-Überlebende, sondern bloß noch albern aussehen, wie Krawattenträger, oder im besten Falle niedlich, wie früher die Sonntagseier mit den selbst gestrickten Minipudelmützchen meiner geliebten Großmutter – Gott habe sie selig.
Apropos Eier und Gott:
Fröhliche Ostern allerseits!

Nur den Schweiß saugt sie nicht auf!

(Nachtrag 2020)

Ich dachte, die exzentrische Affigkeit der oben bezeichneten Modeverirrungen könne nicht mehr getoppt werden, aber sie kann. Und sie schlägt dort zu, wo man es am wenigsten vermutet hätte: auf Joggerpfaden im Park und auf Radwegen. Menschen zwängen sich in Plastikstrumpfhosen und Superheldenkostüme und trauen sich damit in die Öffentlichkeit. Und mit Menschen meine ich natürlich weniger diejenigen, die tatsächlich wie Superhelden gebaut sind, als vielmehr die anderen, die… na ja, ich will hier keine Bilder heraufbeschwören, die man nicht mehr aus dem Kopf kriegt! – „Funktionskleidung“ nennt man diese hautenge Plastikwäsche, die mir schon beim vorsichtigen Berühren Atembeschwerden, Schweißausbrüche und Juckreize bereitet. Was für eine Funktion soll das sein? Komplette Eitelkeitsvereitelung? Oder besteht die Funktion womöglich schlicht und ergreifend darin, schon alleine deshalb schneller zu laufen, damit weniger Menschen weniger Zeit haben, sich darüber zu beömmeln? DAS wäre eine Erklärung. KEINE Erklärung ist die, die Wikipedia liefert:

Als Funktionstextilien bezeichnet man Bekleidung /…/ mit funktionellem Mehrwert.

Hört, hört! Sollte das nicht eigentlich jedes gewöhnliche Kleidungsstück tun: einen funktionellen Mehrwert erfüllen? Meine Socken zum Beispiel halten den Schuh besser am Fuß, wärmen den Fuß und saugen den Schweiß auf… Das ist natürlich NICHTS gegen die Zauberkräfte, über die eine Funktionswäsche verfügt. Laut Wikipedia ist sie

  • winddicht
  • wasserdicht
  • atmungsaktiv
  • thermoregulierend
  • schmutzabweisend
  • antimikrobiell
  • flammhemmend
  • UV-beständig
  • elektrisch abschirmend
  • elastisch
  • strapazierfähig
  • pflegeleicht
  • chemikalienresistent
  • leicht
  • wärmend/kühlend

Flammhemmend! Elektrisch abschirmend! Wärmend und kühlend zugleich – und dazu auch noch thermoregulierend! Aerodynamisch haben sie vergessen. Edna, die Superheldenkostümdesignerin der „unglaublichen“ Familie Parr würde jedenfalls vor Neid erblassen! Nur den Schweiß saugt sie nicht auf!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.