Filmtagebuch: diverse aus 2019/20

Cleo

Kinofilm von Erik Schmitt, D 2019. Versprechen des Trailers nicht gehalten. Der Trailer verspricht ein Kunstwerk auf Augenhöhe mit der Fabelhaften Welt der Amelie. Das ist es BEI WEITEM nicht. Einige ganz coole Berlin-Shots, die durchaus gelungenen After Effects-Effekte und ein paar nette Dialoge können über die Plot-Substanz-Dürftigkeit und Fantasieschwäche dieser leider mal wieder typisch deutschen Filmproduktion nicht hinwegtäuschen. Allerdings gebe ich zu, nach etwa 35-40 Minuten ausgeschaltet zu haben.

Letztendlich sind wir dem Universum egal

Film “Letztendlich sind wir dem Universum egal“: Überraschungsgeschichte dieses Winters. Mit dem Plot, dass ein reisender Geist jeden Tag im Körper eines anderen Teenagers erlebt, ist hier endlich mal wieder etwas ganz Neues, Überraschendes entstanden – und das mit neuen, angenehm unprätentiösen Darstellern. Um den Banausen etwas entgegen zu setzen, die diesem kleinen aber feinen Film bei Amazon mit nur einem Sternchen schaden, vergebe ich fünf. Eigentlich hätten es vier werden sollen. Ähnliche Motivik: Butterfly Effect und Täglich grüßt das Murmeltier.

Animationsfilm: „Bigfoot Junior“

Dürftige Story Großartig animiert. Viel mehr habe ich dem Titel eigentlich nicht hinzuzufügen. Ich bin ein großer Fan von CGI-(3D)-animierten Filmen, die meistens ein riesiger Aufwand sind. Hier haben die Filmemacher leider am falschen Ende gespart – nämlich an der Story, die viel zu konventionell und holprig dahin gesponnen wird.

Gangsterfilm: “Runner Runner”

Trotz der eigentlich starken Schauspieler eine langweilende, uninspirierte und höchst unoriginelle, noch dazu unplausible Aneinanderreihung von Gangsterfilm-Klischee-Versatzstücken. Über die ersten 25 Minuten bin ich allerdings nicht hinweg gekommen. Vielleicht wird’s ja danach echt toll!

Animationsfilm “Zoomania” alias „Zootopia“:

Ein echter Glücksfall, wenn wirklich alles stimmt: Plot, Dramaturgie (Spannungskurve), Humor, Spannung, Geistreichtum der Dialoge, Überraschungsmomente – und, was hier natürlich ebenfalls nicht unerheblich ist: die Animation. Meine Favoriten: die Faultiere! —

Jemand, der in seiner Amazon-Rezension 5 Punkte vergab (hä?!), schrieb: Ja, die Geschichte ist vorhersehbar. Wirkliche Überraschungen gibt es nicht.
Ein anderer entgegnete: Also mal ganz ehrlich: Was (Un)Vorhersehbarkeit und Überraschungen betrifft, ist dies einer der Disney- und Animationsfilme, die so viel Unerwartetes bieten wie wohl kaum ein anderer Disney-, Zeichentrick- oder Animationsfilm. usw.
Ich kommentierte: Ich schließe mich A.S. an: KEINE Überraschung(en)? Dieser Film ist voll von Überrraschungen – sowohl im Großen (Spannungskurve) als auch im Kleinen (Dialoge, Nebenhandlungen)! Mit Verlaub, verehrter „77Kris“: Sie haben ganz offensichtlich keine Ahnung von Dramaturgie!
Ein so genannter “Top 500 Rezensent” schrieb u.a.:

Disney Animationsfilme werden meistens mit einem üppigen Budget ausgestattet, denn die Produzenten wissen, dass diese Filme echte Blockbuster werden und in der Regel das Vielfache wieder einspielen. „Zootopia“ mit seinen Kosten von ca. 150 Millionen Dollar spielte weltweit über eine Milliarde Dollar ein und liegt in den Top 100 der erfolgreichsten Kinohits auf einem vorderen Rang. 2016 bekam er auch den Oscar als bester Animationsfilm.

Anker Spider

Animationsfilm: „Spider Man: A New Universe“

Bahnbrechend! Als Fan des CGI-(3D)-Animationsfilms empfinde ich dieses Kunstwerk als ein Meilenstein, vor allem durch die großartigen Toon-Shader, wobei ich nicht ganz verstehe, weshalb die RGB-Verschiebungen oft so krass ausfallen. Absicht, um die Druckplatten-Versatze der Comichefte nachzuahmen? Manchmal glaubt man, man brauche eine 3D-Brille (die ich persönlich hasse)…

Die Kunst des toten Mannes

Ein wunderbar besetzter Zufallstreffer mit Jake Gyllenhaal als bisesueller Kunstkritiker. Originaltitel: „Velvet Buzzsaw“ (samtene Kreissäge). Ganz nach meinem Geschmack werden sämtliche Vertreter der mir so verhassten Kunstkommerzszene gerichtet — ja uneigentlich sogar regelrecht hingerichtet. Regisseur Dan Gilroy (Jahrgang 1959) schrieb erst Drehbücher, u.a. 2005 für den recht unterhaltsamen aber letztlich doch uninteressanten Football-Film: „Das schnelle Geld“ („Two for the Money“), dann 2006 für das gefeierte Fantasie-Drama „The Fall“, eine indisch-englisch-US-amerikanische Koproduktion mit (mir) unbekannten Darstellern. 2012 für den Action-Klassiker „Das Bourne Vermächtnis“. Zu dem höchst originellen und fesselnden, wenn auch schrägen „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ (mit Jake Gyllenhaal als unfallblutgeiler Reporteremporkömmling) führte er erstmals auch Regie. Obwohl mich sein vorletzter Film („Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“) durchaus irgendwie interessierte, blieb ich hängen, konnte mich bislang nicht aufraffen, das letzte Drittel weiterzuschauen…

The Ballad of Buster Scruggs

Zum mindestens dritten Mal schaute ich mir gestern Abend drei (von sechs) Episoden des letzten Films der genialen (in den 50ern geborenen) Coen-Brüder an, und zwar die titelgebende „The Ballad of Buster Scruggs“, dann „Near Algodones“ mit James Franco als ebenso hübscher wie glückloser Bankräuber; und schließlich „All Gold Canyon“ mit Tom Waits als Goldsucher. Die drei anderen Episoden finde ich zu abstoßend und/oder langatmig.

Why him

Schade: eigentlich eine ganz gute Grundidee und auch gute Schauspieler. Was aber dabei herausgekommen ist, kann man nicht zuende schauen – das übertrieben hysterische Herumgehampele der Hauptfigur ist einfach zu anstrengend…

The Sisters Brothers

In vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlich intelligenter und origineller Western mit überraschenden Wendungen und originellen Motiven. Stimmig und stringent erzählt – ein weiteres Meisterwerk des großen Film-Künstlers Jacques Audiard, von dem ich nicht weiß, ob er mit Michel Audiard verwandt ist, der so unvergessliche Krimis schrieb wie 1981: Das Verhör (Garde à vue), 1981: Der Maulwurf (Espion, lève-toi), 1981: Der Profi (Le professionnel) und 1982: Das Auge (Mortelle randonnée).

Stretch

Endlich mal wieder ein sympathischer, originell gestrickter „Action“-Film, der ohne enervierendes todlangweiliges minutenlanges Herumgeballere und ohne die entsprechenden Verfolgungsjagten (BEIDE treiben die Handlungen in keinster Weise voran) auskommt. Gerne verzeiht man hier die eine oder andere Übertreibung oder Unplausibilität. Patrick Wilson, der mit dem großartigen Drama „Little Children“ unsterblich wurde, spielt in dieser Komödie aus dem Jahre 2014 einen überforderten Limousinenfahrer.

Gnadenlose Wildnis und First Position

Natürliche Grausamkeit: „Backcountry – Gnadenlose Wildnis“ passt nicht in meine Top-400+ Liste, ist aber durchgehend spannend und überzeugend. Und die Brutalität ist trotz ihrer Grausamkeit eine „natürliche“, also viel leichter hinzunehmen, als etwa die Bilder, die man im Kopf hat, wenn man sich „First Position – Ballett ist Ihr Leben“ anschaut, wo ein Mädchen (nur) davon erzählt, dass sie mit ansehen musste, wie ihrer Lehrerin die Gliedmaßen abgeschnitten wurden. Ähnliche Motivik: „Jungle“ von Greg McLean, „The Grey – Unter Wölfen“ von Joe Carnahan, „Auf Messers Schneide“ von Lee Tamahori, „The Revenant – Der Rückkehrer“ von Alejandro González Iñárritu. Es gibt noch mindestens einen weiteren sehr spannenden Film, wo die Bedrohung durch einen Bären eine wesentliche Rolle spielt, aber der fällt mir momentan nicht ein…

Ein Hologramm für den König

Mut zur Stille: Mit dem Hologramm erweitert der mittlerweile durchaus als großartiger Künstler zu bezeichnende Tykwer sein breit gefächertes Oeuvre um eine mir sehr sympathische Note der Stille und Bescheidenheit. Die vollen fünf Sterne entsprechen hier jedoch eigentlich eher einer Art Quoten-Zugabe, da viele andere Rezensenten m. E. die Qualität verkennen. Normalerweise hätte ich vier gegeben, ohne (in diesem lockeren freiwilligen Rahmen so spontan) sagen zu können, was mir zum fünften fehlt…

Troja Director’s Cut

Überflüssig: Welchen Zweck Petersen mit der Veröffentlichung dieser Lang-Version verfolgt, bleibt schleierhaft. Kein Vergleich etwa mit der SEHR wichtigen Voll-Version von „Apokalypse Now“.

Juliet naked

Originelle Handlung mit überraschender Wendung, unaufdringlich schöne Frau, uneitler guter Ethan Hawke – und das Ganze mit britischem Humor at it’s best gewürzt…! Würde man jetzt – FILMISCH – noch die Musik gut inszenieren, wären es definitiv FÜNF Sternchen, so sind es viereinhalb 😉

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