Tarkovskij gewidmeter Splatterporno

„Antichrist“ von Lars von Trier „rezipiert“ –
den ich nur des Titels und Willem Dafoes wegen gekauft hatte. Hätte ich gesehen, dass es ein Trier-Machwerk ist, hätte ich mir die 5 Euro (natürlich) gespart.
Was ich Trier vorwerfe (der sich das „von“ ausgedacht hat, mit 43 erfuhr, dass sein richtiger Vater ein Deutscher namens Hartmann war und seine erste Frau zur Geburt seines Kindes verließ), sind nicht die „schrägen“, abstoßenden Darstellungen, die übertrieben wackelnde Kamera, damit man sieht, dass es eine Handkamera ist (aber auch eine Handkamera kann man mit ein wenig Geschick stillhalten!), der schlechte Ton und und und, sondern, dass er mich langweilt! Und zwar jedes mal.
Hätte meine Freundin nicht nachdrückliches Interesse am Weiterschauen bekundet, wäre ich über den „Prolog“ nicht hinausgekommen, wo ein etwa dreijähriges Kind sich seelenruhig und zielorientiert eine Leiter baut, das Fensterbrett erklimmt, das Fenster öffnet (was die im selben Raum splitterfasernackt kopulierenden Eltern nicht bemerken, obwohl frostigster Winter herrscht) und aus demselben springt…
Dann diverse langweilige Langeinstellungen im Schnelldurchlauf (der Film ist Tarkovskij gewidmet, hört hört! – ob ich DESSEN Filme, Stalker, Nostalghia, heute noch so frenetisch feiern würde wie damals, als 24-Jähriger?…).
Zwischendurch ein paar Dialoge in Normalgeschwindigkeit.
Dann ab der Stelle, wo das Genre des langweiligen Psychogelaber-Films vom Horror-Splatter-Porno völlig unvermittelt abgelöst wird, zu Ende gesehen.
Alter Schwede! Ach nee. Alter Däne! Beziehungsweise. Alter Halbdeutscher-Halbdäne!
Jedenfalls die letzten 20 Minuten keine Langeweile mehr! Fantasievoll, wie die Psychotante (über die Figuren erfährt man ja rein gar nichts) ihrem Mann erst die Klöten zermatscht (der das kommen sieht, aber offenbar nichts weiter dagegen einzuwenden hat), dann dem Bewusstlosen einen runterholt, bis der Schwanz (übrigens so gewaltig, dass sie ihn nicht einmal mit der Hand umfassen kann) Blut ejakuliert, daraufhin ein Loch in sein Fußgelenk bohrt, um eine Schleifsteinachse hindurch zu stecken und das Gewicht mittels 22er Mutter festzuziehen. Er schleppt sich in einen Dachsbau, buddelt eine lebendige Krähe aus, versucht, sie zu erschlagen und lockt mit ihrem Gekrächze die Psychotante an… Schließlich schneidet diese sich die Klitoris mit einer Schere ab – auch wieder in Großaufnahme mit herausschwappendem Blut…
Alles in allem wohl eine Art Potpourri der Alpträume, mit denen Triers Analytiker nichts anfangen konnte.
Was hatte Trier damals, 1995 in seinem „Dogma“ „manifestiert“?

  1. Als Drehorte kommen ausschließlich Originalschauplätze in Frage, Requisiten dürfen nicht herbeigeschafft werden.
  2. Musik kann im Film vorkommen (zum Beispiel als Spiel einer Band), darf aber nicht nachträglich eingespielt werden.
  3. Zur Aufnahme dürfen ausschließlich Handkameras verwendet werden.
  4. Die Aufnahme erfolgt in Farbe, künstliche Beleuchtung ist nicht akzeptabel.
  5. Spezialeffekte und Filter sind verboten.
  6. Der Film darf keine Waffengewalt oder Morde zeigen.
  7. Zeitliche oder lokale Verfremdung ist verboten – d. h. der Film spielt hier und jetzt (also nicht etwa im Mittelalter oder in einer entfernten Zukunft oder in einem anderen als dem Produktionsland, auf einem fremden Planeten, in einer fremden Dimension o. Ä.).
  8. Es darf sich um keinen Genrefilm handeln.
  9. Das Filmformat muss Academy 35 mm sein.
  10. Der Regisseur darf weder im Vor- noch im Abspann erwähnt werden.

Es wäre wohl ein Leichtes, nachzuweisen, dass er selbst in nur diesem einen Film sämtliche Gesetze gebrochen hat.
ABER man diskutiert sich über den Schwachsinn die Köpfe heiß! Vielleicht ist DAS ja der Sinn der ganzen Sache: reine Provokation?! So ähnlich wie Konzeptkunst. Vielleicht schließt sich HIER der Kreis…?!

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